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[ » NL NEUE LANDWIRTSCHAFT » Fachthemen » Management » Agrarökonomen wollen runter vom Elfenbeinturm ]
Donnerstag, 17.05.2012
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Management | 24.10.2011

Agrarökonomen wollen runter vom Elfenbeinturm

Agrarökonomen wollen runter vom Elfenbeinturm
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Agrarökonomen wollen runter vom Elfenbeinturm
 Uwe Steffin, NL-Redakteur 
Gesellschaftliche Ansprüche an die Landwirtschaft dominierten Vorträge und Diskussionen bei der diesjährigen Jahresstagung der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues (Gewisola) Ende September in Halle, die als die größte und wichtigste Veranstaltung im Bereich der Agrarökonomie in Deutschland gilt. Unter den annähernd 40 Tagungsbeiträgen waren einmal mehr nur wenige, die unmittelbaren Nutzen für Landwirte, Berater oder die Politik stiften. Das stimmt nachdenklich, ist die jährliche Gewisola-Tagung doch regelmäßig Spiegelbild dessen, was aktueller Forschungsstand der deutschen Agrarökonomie ist. Einen stärkeren Praxisbezug hat denn auch DLG-Präsident
Carl-Albrecht Bartmer
im Eröffnungsplenum angemahnt. Für ihn sind die Elfenbeintürme der Wissenschaft etwas fensterlos. Gemeinsam könnten Praktiker und Wissenschaft wieder die emotionale Lufthoheit über den Stammtischen erreichen, die man zwischenzeitlich den omnipräsenten NGO
s überlassen habe.
Konsequenterweise hat der Gewisola-Vorsitzende
Prof. Ernst Berg
im Vorfeld der Tagung gegenüber dem Pressedienst Agra-Europe (AgE) einen Kursschwenk bei der Gewisola angekündigt. Nach Überzeugung des Bonner Agrarökonomen muss der anwendungsorientierten Forschung künftig ein größerer Stellenwert zukommen. Es geht für Prof. Berg nicht darum, den Elfenbeinturm zu verlassen. Vielmehr sollten die Wissenschaftler "hin und wieder einmal hinabsteigen", um sich den Problemen der Praktiker anzunähern. Neben der (häufig ausschließlich englischsprachigen) Veröffentlichung in nationalen und internationalen Wissenschaftsjournalen bedürfe es ergänzender Kriterien, um eine mehr praxisorientierte Forschung besser berücksichtigen zu können, z. B. Beiträge in landwirtschaftlichen Fachzeitschriften, Vorträge vor Landwirten oder auch Beratungsleistungen.

Karriereknick durch Praxisbezug?

Heute können Wissenschaftler für Veröffentlichungen in Fachzeitschriften wie der NL Neue Landwirtschaft keine "Punkte" sammeln, die auf der wissenschaftlichen Karriereleiter nach oben führen. Dadurch wird die ohnehin zu beklagende Kluft zwischen Theorie und Praxis in der Agrarökonomie immer größer.

Bauern stehen im Regen

DBV-Generalsekretär Dr. Helmut Born bemängelte bei einer Podiumsdiskussion zum Abschluss der Gewisola-Tagung, dass die Bauern von der Wissenschaft in der öffentlichen Debatte häufig im Regen stehen gelassen werden. "Gerade wenn es donnert und kracht, muss die Allianz zwischen Praxis und Wissenschaft stehen" forderte Born. Ein Schritt in die richtige Richtung sei die Gründung der Deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA) gewesen, die z. B. Anfang Oktober ein Fachforum Nutztiere ausgerichtet hat. Streng ins Gericht ging der DBV-Generalsekretär mit dem finanziellen und personellen Kahlschlag in den Agrar-Sozialwissenschaften: "Das war ein Fehler, der korrigiert werden muss". Nur dann könne angehenden landwirtschaftlichen Unternehmern an den Universitäten und Fachhochschulen das Rüstzeug mitgegeben werden, um in die Gesellschaft hinein kommunizieren zu können.

Positive Randnotiz

Zwei durchaus praxisrelevante Themen wurden als beste Fachbeiträge mit sehr guten Gutachternoten ausgezeichnet, nämlich "Unternehmensstrategische Defizite in Genossenschaftsmolkereien eine mitgliederbasierte Fallstudie" von Anneke Hellberg-Bahr, Nina Steffen und Prof. Achim Spiller von der Universität Göttingen sowie "Naive Deckungsbeitragsvergleiche führen bei Vorverträgen in die Irre Lieferung von Industrierüben zur Bioethanolherstellung" von Prof. Oliver Mußhoff, Universität Göttingen, und Prof. Norbert Hirschauer, Universität Halle (herunterzuladen im Internet unter
).
Mit dem angekündigten Kursschwenk zu mehr Praxisorientierung ist die Gewisola auf dem richtigen Weg. Milchlieferverträge nach dem Quotenende, Vermarktungs- und Einkaufstrategien in volatilen Märkten oder die Effizienz von Versicherungen gegen witterungsbedingte Ertragsausfälle sind nur einige der Herausforderungen, die Praktikern aktuell auf den Nägeln brennen. Man darf gespannt sein, ob die inhaltliche Neuausrichtung bereits bei der nächsten Gewisola-Tagung einen Niederschlag findet, die vom 26. bis 28. September 2012 in Hohenheim stattfindet.
 (us) 
Agrarökonomen wollen runter vom Elfenbeinturm (24.10.2011)
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