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[ » NL NEUE LANDWIRTSCHAFT » Fachthemen » Tier » Dreifaltigkeit mit Kopfbelüftung ]
Donnerstag, 17.05.2012
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Tier | 03.02.2012

Dreifaltigkeit mit Kopfbelüftung

Moderne Melktechnik ist bis ins Detail ausgeklügelt und auf die Bedürfnisse von Kühen und Melkern ausgerichtet. Dennoch gibt es feine Unterschiede, die jeweils bestimmte Schwachstellen angreifen. Dreieckige Zitzengummis können solche Problemlöser sein.
Hyperkeratosen sind Hornhautzubildungen, die vor allem durch Druck- belastung entstehen. Die dreieckigen Zitzengummis senken diese Belastung, so dass sich die Hornhautringe an den Zitzenspitzen meist innerhalb kurzer Zeit zurückbilden (die Fotos entstanden  von links nach rechts  im März, im Mai und im Juli 2010).
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Hyperkeratosen sind Hornhautzubildungen, die vor allem durch Druck- belastung entstehen. Die dreieckigen Zitzengummis senken diese Belastung, so dass sich die Hornhautringe an den Zitzenspitzen meist innerhalb kurzer Zeit zurückbilden (die Fotos entstanden von links nach rechts im März, im Mai und im Juli 2010).
 Sabine Leopold, NL-Redakteurin 
 
Man kennt sie beim Menschen als Hühneraugen, Hornballen oder Schwielen. Sie entstehen durch Fehl- oder Überbelastung, und sie sind meist ziemlich schmerzhaft: Hyperkeratosen. Diese übermäßige Hornhautzubildung ist eine Schutzreaktion der Haut auf (meist punktuelle) Überlastung. Oder anders: Horn entsteht da, wo der Schuh drückt.
Was wir Menschen uns an den Füßen vor allem durch unpassendes Schuhwerk und falsche Belastung zuziehen (es gibt allerdings auch eine gewisse erbliche Komponente), kennen auch Milchrinder. Nur sind bei den Tieren die Zitzenspitzen betroffen. Und im übertragenenen Sinne zeigen auch diese verräterischen Hornringe, wo der Schuh, pardon: das Melkzeug, drückt. Die Folgen dieser Zitzenendenverhornungen können fatal sein: Wird der Strichkanalausgang nicht von geschmeidiger, funktionstüchtiger Haut umschlossen, bietet er Erregern eine bequeme Eintrittspforte. Mastitisinfektionen sind die häufige Folge.
 

Anderer Querschnitt kann helfen

Hyperkeratosen (und auch Ödeme, also Anstauungen von Flüssigkeit im Zitzengewebe) enstehen vor allem durch schlecht passende Zitzengummis, eine falsch eingestellte Pulsfrequenz (zu geringe Entlastungsphase) und zu hohes Vakuum. Letzteres wiederum ist nicht selten die Folge schlecht haltender Melkbecher, denn fallen Melkzeuge zu oft ab, greifen die meisten Milcherzeuger zunächst zur Vakuumerhöhung. Eine technische Möglichkeit, diesen Problemen zu begegnen, sind dreieckige Zitzengummis. Die sind im Grunde nicht neu, in den USA wurden sie bereits in den siebziger Jahren getestet, heute haben sie sich dort in vielen Unternehmen etabliert. In Deutschland sind die dreieckigen Gummis seit rund sieben Jahren auf dem Markt. Mehr als 2.000 Herden werden inzwischen damit gemolken.

Hyperkeratosen bilden sich zurück

Das besondere Wirkprinzip ist einfach erklärt: Während konventionelle runde Zitzengummis in der Kompressionsphase mittig (also entlang der Längsachse) zusammengepresst werden, kollabieren die dreieckigen Teile von drei Seiten, so dass in der Längsachse (und damit dort, wo sich die Zitzenspitze befindet) ein kleiner Hohlraum verbleibt. Damit ist der punktuelle Druck auf das Gewebe deutlich geringer und Irritationen werden vermieden. Selbst bei hyperkeratosevorgeschädigten Zitzen bildet sich die Verhornung innerhalb einiger Wochen zurück (Fotos S. 59). Die Zitzenenden werden wieder weich und geschmeidig, die Barriere gegen Schaderreger schließt sich. Doch wie melkt es sich mit den Dreiecksgum- mis? Diese Frage wird in online-Foren angeregt diskutiert (zum Beispiel in der agrarheute-Community "landlive" unter: agrarheute.landlive.de/boards/thread/16750/page/1/). Nutzer loben dort den sicheren Sitz der Melkbecher, die Kühe (vor allem frisch abgekalbte Färsen) stehen ruhiger, Hyperkeratosen gehen deutlich zurück. Kritiker weisen auf verlängerte Milchauszugszeiten und Probleme mit Schwermelkern hin.

Zellzahlen haben sich stabilisiert

"Die Melkzeit hat sich bei uns nicht verlängert. Wir melken inzwischen sogar mehr Kühe pro Arbeitskraftstunde als vor dem Zitzengummiwechsel", sagt Dirk Schröder, Geschäftsführer der Gut Jürgenstorf GmbH in Mecklenburg. Er hat sich vor gut einem Jahr von einem Milcherzeugerkollegen von den Vorteilen der dreieckigen Zitzengummis überzeugen lassen. "Das erste, was unseren Melkern auffiel, war, dass die Dinger einfach besser an den Strichen hielten." Auch sonst zieht Schröder positive Bilanz: Die Zellzahlen sind von durchschnittlich rund 200.000 auf 130.000 bis 150.000 gesunken, vor allem aber haben sie sich stabilisiert. "Ausreißer" kommen kaum noch vor. In erster Linie aber fiel der verbesserte Gesundheitszustand der 450-köpfigen Herde auf. "Aktuell haben wir genau sieben Kühe in Behandlung, und unsere Reprorate liegt bei 23%." Dirk Schröder führt das nicht allein auf die Zitzengummis zurück, auch an anderen Haltungsbedingungen wurde gefeilt. Allerdings lagen die wirklich effektstarken Investitionen in Hygiene und Kuhkomfort (z.B. der Einbau neuer Liegeboxen) bereits mehrere Jahre
vor dem Zitzengummiwechsel.

Kopfbelüftung verhindert Respray

"Neben dem Querschnitt verbessert bei den Dreiecksgummis, die wir installiert haben, auch die Kopfbelüftung die Eutergesundheit", erklärt Schröder beim Gang durch den 2×16 er Fischgräten-Melkstand. Deren Wirkung verhindert einen Rückfluss von Milch (Respray) aus dem kurzen Milchschlauch oder dem Sammelstück, wie er durch das schnelle Öffnen des Zitzengummis und das daraus resultierende kurzzeitige Vakuum unterhalb und neben der Zitze entsteht. Diese Milch umspült nicht selten den ganzen Strich bis nahe dem Ansatz und wäscht so Erreger von dessen Haut, die während des weiteren Melkvorgangs in den Strichkanal eindringen können. Ein Zeichen für diesen Vorgang sind pitschnasse Zitzen nach der Melkzeugabnahme. Die Kopfbelüftung soll dieses Vakuum verhindern. Dirk Schröder greift nach den Strichen einer Kuh, die gerade fertig gemolken ist: "Knochen- trocken, aber weich und geschmeidig. So soll das sein."

Erfahrungen in der Rekordherde

Klaus-Dieter Augustin aus Kemnitz nahe dem Greifswalder Bodden ist der Kollege, der Dirk Schröder seinerzeit die dreieckigen Zitzengummis empfahl. "Wir melken seit gut eineinhalb Jahren damit und sind sehr zufrieden mit der Wirkung", erzählt der Chef der Rinderzucht Augustin KG. "Mit Hyperkeratosen hatten wir zwar auch vorher keine Probleme, aber mit der Haftung der Melkzeuge. Und da haben die Dreiecksgummis wirklich überzeugt." Vor allem aber habe der Zitzengummiwechsel die Melkzeiten verkürzt: "Unsere Tiere melken deutlich schneller als früher, das fiel als erstes auf, und es hat sich bis heute bestätigt." Augustins Herde hat eine der höchsten Lebenseffektivitäten in Deutschland. Seine gut 300 Kühe liegen im Moment bei knapp 20 kg Milch pro Kuh und Lebenstag. Und dieses Leistungsmerkmal hat sich auch seit dem ersten Einsatz der dreieckigen Zitzengummis stetig verbessert.

Dicke Striche ungeeignet

Dennoch sind die Dreiecksgummis zwar für nahezu jeden Melkstand, aber nicht für jede Herde geeignet. Besonders Tiere mit dicken Strichen haben Probleme, da die Gummis durch ihren besonderen Querschnitt einfach etwas enger sind als die runden "Kollegen". Das heißt, vor allem für Fleckvieh, aber auch für Holsteinfamilien mit starken Zitzen können die dreieckigen Schäfte nicht empfohlen werden. Und auch Milcherzeuger mit hohen Schwermelkeranteilen in der Herde sollten lieber bei den runden Gummis bleiben. Im Zweifelsfalle empfiehlt sich ein Test mit ein oder zwei Melkzeugen im eigenen Melkstand. Denn auch für dreieckige Zitzengummis gilt: Wunder darf man nicht erwarten, viele Euter- probleme sind management- oder melkerabhängig und nicht durch technologische Neuerungen zu bewältigen. Aber manchmal ist es eben doch nur ein technisches Detail, das den Knoten platzen lässt. (le) NL
Dreifaltigkeit mit Kopfbelüftung (03.02.2012)
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