Donnerstag, 17.05.2012
Ertragsreserven nutzen
Seit dem Jahr 2009 haben die Rübenanbauer der Zuckerfabrik Könnern die Möglichkeit, ihre Zuckerrüben auch entblättert anzuliefern. Nach nun mehr als zwei Jahren Erfahrung mit dem System der Entblätterung wurde viel über die Vor- und Nachteile diskutiert. Eines hat sich in dieser Zeit auf jeden Fall verändert: Es wird mehr über den Wert des Rübenkopfes und über das Thema Rodeverluste diskutiert.
Bernd Bruckwilder, Könnern
Die Region Sachsen-Anhalt zählt mit einem mittleren Jahresniederschlag von 465 mm eher zu den trockenen Standorten in Deutschland. Im Einzugsgebiet der Zuckerfabrik Könnern werden deshalb im Mittel nicht mehr als 50 t/ha
Zuckerrüben geerntet. Auch der Zuckergehalt von häufig über 18 % kann diesen Ertragsnachteil nicht wettmachen. Die trockenen Standortbedingungen zwingen die Rübenanbauer zu einem kostenoptimierten Rübenanbau, bei dem die Mulchsaat ein gängiges Verfahren ist. Die Reform der Zuckermarktordnung mit drastischen Mengen- und Preiskürzungen hat den Kostendruck zusätzlich verschärft. Neben wasserschonenden extensiven Anbaumethoden bieten nun auch verlustminimierende Ernteverfahren Reserven. Damit kann der gewachsene Ertrag möglichst vollständig der Verarbeitung zugeführt werden.
Auch die Zuckerfabrik musste sich auf die Bedingungen nach der Zuckermarktreform einrichten. Dazu zählen die Reduzierung des Energieaufwandes, Optimierung des Einsatzes von Betriebs- und Hilfsstoffen sowie die Kapazitätsauslastungen der Maschinen. Gemeinsam suchten Zuckerfabrik und Rübenanbauer nach einer Möglichkeit, das System Rübenentblätterung für beide Seiten attraktiv zu nutzen. Ein fairer Interessensausgleich konnte geschaffen werden wie im Folgenden beschrieben.
Der Wert des Rübenkopfes
Untersuchungen haben gezeigt, dass die züchterische Weiterentwicklung der Sorten zu einer besseren inneren Qualität des Kopfes geführt hat. Die gleichzeitige Einführung der Entblätterungstechnik in den deutschen Markt welche übrigens in den USA gängige Praxis ist hat dazu geführt, dass die Methode des "sauberen Köpfschnittes" neu überdacht werden musste. Verschiedene Hersteller haben sich technisch darauf eingestellt und ihre Maschinen mit Entblätterungstechnik nachgerüstet. Es stehen die Entblätterung mittels Schlegeltechnik oder als Minimal-Köpfung zur Verfügung. Das Verfahren der Rübenentblätterung bzw. die Abschaffung des Köpfzwangs bietet beiden Parteien Vorteile dem Anbauer und der Zuckerfabrik. Praxisergebnisse zeigen einen Zuckermehrertrag von 3 bis 7 % bei entblätterten gegenüber geköpften Rüben. Auch in der Fabrik sind die entblätterten Rüben vorteilhaft, da wegen des fehlenden Köpfschnittes weniger Verlust über die Schnittfläche entsteht. Den höheren Kosten bei der Verarbeitung und den geringeren Verkaufserlösen für kristallinen Zucker durch die geringere Zuckerausbeute entblätterter Rüben wird momentan mit einem pauschalen Kopfabzug von 4 statt vorher 3 % Rechnung getragen. Blätter und Blattreste können bei der Verarbeitung in der Fabrik zu Problemen führen. Daher ist auch beim Einsatz von Entblattungstechnik sicherzustellen, dass kein grünes Pflanzenmaterial am Rübenkörper verbleibt.
Die Rodequalität verbessern
Ebenso wichtig wie das System der Rodung mit oder ohne Köpfschnitt sollte die Qualität der Rübenernte sein. Wenn im Zuge der Rentabilität des Rübenanbaus über die Nutzung aller Ertragsreserven gesprochen wird, so liegen die größten Reserven sicherlich in der Vermeidung von Ernteverlusten. In der Praxis fallen die tatsächlichen Ernteerträge (Maschinenernte) etwa 15 % niedriger aus als die gewachsenen Erträge (Handbeerntung). Von diesen 15 % Ernteverlusten sind 5 % unvermeidbar, wie Rodetests gezeigt haben. Die restlichen 10 % können vermieden werden vor allem die Verluste durch Wurzelbruch und zu tief geköpfte Rüben. Im Laufe der Diskussion um die Entblätterung sind auch diese Rodeverluste wieder in den Blickpunkt geraten. Mit der Schlegeltechnik können zu tief geköpfte Rüben nahezu ausgeschlossen werden. Auch die "Minimal-Köpfung" kann den Anteil zu tief geköpfter Rüben reduzieren, natürlich immer nur soweit, wie es die Bestandesbedingungen erlauben. Noch deutlicher wird der Wert des Rübenkopfes bzw. der vermeidbaren Verluste, wenn man den monetären Wert betrachtet. Früher wurde der Wert der Verluste mit 5 bis 10 ?/t (dem Wert der C-Rüben) beziffert. Heute hast sich der Wert der Überschussrüben, die mit mindestens 25 ?/t (inkl. Markvergütung und Nebenleistungen) bezahlt werden, dagegen fast verdreifacht. Eine alternative monetäre Bewertung entsteht bei einer Flächenreduktion des Zuckerrübenanbaus aufgrund der kalkulierbaren Mehrerträge pro Hektar. Betriebsindividuell kann dann mit dem Deckungsbeitrag einer alternativen Frucht und den eingesparten variablen Kosten des Rübenanbaus kalkuliert werden. Somit passt das System der Rübenentblätterung mehr denn je in die heutige Zeit, in der jeder Hektar Ackerland wertvolle Produktionsgrundlage ist.
Die Lagerstabilität sicherstellen
Auch wenn in Könnern die letzten Rüben in der Regel vor Weihnachten in die Fabrik rollen, spielt die Lagerung am Feldrand dennoch eine wichtige Rolle. Untersuchungen des IFZ haben ergeben, dass vor allem zu tief geköpfte Rüben erhebliche Gewichts- und Zuckerverluste während der Lagerung aufweisen. Dies unterstreicht, wie wichtig die Vermeidung solcher Schäden ist. Nichtsdestotrotz haben Rodebedingungen (möglichst trocken) sowie Lagertemperaturen (möglichst niedrig) immer noch den größten Einfluss auf die Verluste während der Lagerung. Ein weiterer positiver Effekt entblätterter Rüben ist die Reduzierung von Wildrüben aus wiederausgetriebenen Rübenköpfen. Das senkt somit den Wildrübendruck in den nachfolgenden Kulturen.
Fazit:
Alles in allem passt das System der Rübenentblätterung ob nun mittels Schlegeltechnik oder Minimal-Köpfer gut in die Struktur und die Ziele der Rübenanbauer und der Zuckerfabrik Könnern. Ziel ist, alle Ertragsreserven zu nutzen und den gewachsenen Ertrag möglichst vollständig zur Verarbeitung zu führen.
(ha)
Vom Reststoff zum Wertstoff
Bisher fehlte es an Informationen, welche Strohmengen mit welchem Aufwand für die energetische Nutzung erschlossen werden können, ohne dass es zu nachteiligen Auswirkungen auf die Humusbilanz kommt. Auf einer Tagung in Berlin wurden jetzt erste Ergebnisse aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums (DBFZ), der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL), dem Institut für Nachhaltige Landbewirtschaftung (INL) und dem Öko-Institut vorgestellt. Das DBFZ geht davon aus, dass jährlich in Deutschland 30 Mio. Tonnen Getreidestroh anfallen. "Bislang wird nur ein geringer Teil davon energetisch genutzt", stellte Vanessa Zeller vom DBFZ fest. Die größte Anlage befindet sich bei der TLL in Jena, im emsländischen Emlichheim wird jetzt ein großes Kraftwerk gebaut, das die "Emsland Stärke" (Emsland Group ist Deutschlands größter Kartoffelstärkeproduzent) versorgen soll. Forschungsbedarf besteht noch zu den Auswirkungen der Strohentnahme auf den Humushaushalt des Bodens. Die Menge, die auf dem Acker verbleiben muss, wurde bislang ebenso wie der Anteil der Tierhaltung allenfalls pauschal bestimmt. Unter Berücksichtigung einer ausgeglichenen Humusbilanz könnten von einer theoretischen Gesamtmenge von jährlich 30 Mio. t effektiv 8 bis 13 Mio. t entnommen werden, rechnete Christian Weiser von der TLL vor. Das entspricht 27 bis 43 % der aufgewachsenen Strohmenge. Ausschlaggebend sollten aber die Verhältnisse vor Ort sein, denn Hackfrüchte und ein ausgedehnter Energiepflanzenanbau zehren an der Humussubstanz des Bodens. Wie viel Stroh in Ihrem Landkreis zur Verfügung steht, kann in Kürze im Internet recherchiert werden. Unter der Adresse
http://strohpotenziale.dbfz.de
wird die zur Verfügung stehende Strohmenge angezeigt. Eine integrierte Kartendarstellung erleichtert dabei die Orientierung.
Wie kommt die Rohstoffabsicherung für Weizen bei den Landwirten an?
Die Emission "Rohstoffabsicherung Weizen" war ein Erfolg und bekräftigt die wachsende Bedeutung für das Risikomanagement in der Landwirtschaft. Wie die aktuelle Preisentwicklung zeigt, ein optimales Instrument zur richtigen Zeit. Die Erwartungen der Kooperationspartner Maschinenringe Deutschland GmbH und BayernLB wurden erfüllt. Wir sehen weiterhin großes Potenzial in dieser Produktreihe und freuen uns auf die kommenden Emissionen im vierten Quartal 2011.
Die Produktreihe "Rohstoffabsicherung - Weizen" ist das optimale Produkt für die Landwirtschaft. Alle relevanten Produktparameter sind eng mit der Maschinenringe Deutschland GmbH abgestimmt und somit auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft zugeschnitten. Die Landwirte profitieren von einer individuell gestaltbaren Absicherungsmenge ab einer Tonne, sind nicht an die Mindestkontraktgrößen von 50 Tonnen an der Matif gebunden und benötigen hierzu keinen direkten Zugang zur Börse oder zu einem Broker. Die Rohstoffabsicherung besticht durch ihre unkomplizierte Abwicklung über das bestehende Depot bei der jeweiligen Hausbank. Des Weiteren ist die "Rohstoffabsicherung Weizen" nicht mit einer physischen Lieferverpflichtung verbunden. Der Landwirt kann seinen Abnehmer sowie den Zeitpunkt des Verkaufes frei bestimmen und hält sich damit die Chance offen, von positiven Preisentwicklungen zusätzlich zu profitieren. Damit bleibt bei finanzieller Absicherung das höchste Maß an Flexibilität erhalten.
Die BayernLB arbeitet derzeit aktiv an einer Ausweitung ihrer Produktreihe "Rohstoffabsicherung". Nachdem bereits zwei Tranchen für den Rohstoff Diesel und eine Tranche für Weizen emittiert wurden, wird als nächster Rohstoff Raps in die Produktreihe aufgenommen. Diese Absicherungen werden wie auch bei Weizen auf die jeweiligen Kontrakte an der Matif in Paris abgestellt.
Die nächsten Emissionen für die "Rohstoffabsicherung Weizen" und "Rohstoffabsicherung Raps" werden im November 2011 in gewohnter Form stattfinden. Dabei wird prinzipiell eine Sicherung gegen fallende Rohstoffpreise angestrebt. Die Festlegung der Emissionsparameter wird zeitnah vor der Zeichnungsfrist zusammen mit der Maschinenringe Deutschland GmbH erfolgen.
Die erste Emission der "Rohstoffabsicherung Weizen" hat gezeigt, dass nicht nur eine hohe Nachfrage auf der Erzeugerseite besteht, sondern auch ein großer Bedarf auf der Abnehmerseite existiert. Dem will die BayernLB Rechnung tragen und plant daher auch eine Absicherung gegen steigende Preise. Dies ergänzt die Produktpalette der BayernLB in sinnvoller Weise und macht sie für ein weiteres wichtiges Kundenklientel z. B. Mühlen attraktiv.
Für die BayernLB und die Maschinenringe Deutschland GmbH nimmt das Thema Risikomanagement in der Landwirtschaft einen hohen Stellenwert ein. Ziel der Produktreihe ist es, "der" Rohstoffabsicherer in der Landwirtschaft zu sein. Um dieses Ziel zu unterstreichen, plant die BayernLB auch eine bundesweite Vortragsoffensive bei den Landwirten. Mit Hilfe der deutschen S-Finanzgruppe steht der BayernLB ein kompetentes Vertriebsnetzwerk zur Seite. Des Weiteren ist die BayernLB vom 13. bis 19. November 2011 auf der Agritechnica vertreten, um die aktuellen Emissionen der Produktreihe "Rohstoffabsicherung" zu präsentieren.
Das Gespräch führte Dr. Uwe Steffin.
Steckbrief: Rohstoff- absicherung Weizen
Abgesichert wird:
eine Weizenpreis-Untergrenze für eine Tonne pro Rohstoffabsicherung für einen ausgewählten Kalendermonat
Mögliche Szenarien nach Ablauf des Absicherungsmonats:
Durchschnittlicher Weizenpreis des Referenzmonats < Weizenpreis- Untergrenze
?
Ausgleichszahlung an den Käufer der "Rohstoffabsicherung Weizen" Durchschnittlicher Weizenpreis des Referenzmonats ? Weizenpreis- Untergrenze
?
Keine Ausgleichszahlung an den Käufer
Ertragsreserven nutzen (24.10.2011)
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