Donnerstag, 17.05.2012
In guter Gesellschaft
Nicht nur für aktive Sport- und Freizeitpferde werden Unterkünfte gebraucht. Jungpferde und "berentete" Tiere sind relativ anspruchslos in der Haltung und verlangen kein spezielles Fachpersonal. Hier bietet sich eine Chance für Grünlandbetriebe.
51 Lebensjahre auf acht Pferdebeinen. Senioren stellen relativ geringe Betreuungsansprüche. Wichtig sind eine sichere Weide, Artgenossen und regelmäßige Gesundheitskontrollen. Foto: Leopold
Sabine Leopold, NL-Redakteurin
Mit Pferdehaltung lässt sich auf vielfältige Weise
Geld verdienen. Doch nahezu immer gilt: Die Anforderungen sind hoch und
die Konkurrenz ist groß. Wer also selbst züchten will, sollte zunächst
den Markt genau analysieren. Zwar lassen sich mit Edelpedigree-Fohlen
rekordverdächtige Summen erzielen, doch der weit überwiegende Teil der
Pferdezüchter hat heutzutage Schwierigkeiten, den Nachwuchs gewinn-
bringend oder wenigstens kostendeckend abzusetzen. "Vernünftige" Preise
sind in diesem Markt eher unterrepräsentiert. Fohlen und Jungpferde, die
einen entsprechenden Namen des Züchters und der Elterntiere voraus-
gesetzt zu Spitzensummen vermarktet werden können, sind nur das eine
(ziemlich dünne) Ende des Marktes. Den Löwenanteil bilden Tiere, die
billig (oft zu wahren Schleuderpreisen) den Besitzer wechseln. Und nicht
selten landet das hoffnungsvolle Nachwuchspferd letztendlich auf einem
Schlachtviehtransport gen Frankreich oder Italien.
Große Konkurrenz bei Reitpferden
Eine interessante Alternative scheint da die Reitpferdepensionshaltung zu sein (siehe auch S. 80 ff.). Doch auch hier gilt: Die Konkurrenz lauert, und wer da mithalten will, muss entweder Spitzenbedingungen oder Minipreise bieten. Zudem lohnen sich Pensionen oft nur in der direkten Nachbarschaft von Stadtgebieten, denn Besitzer, die ihr Reitpferd unterstellen, wollen meist den Stall auch nach Feierabend noch für ein Stündchen anfahren können. Und wer neben dem nötigen Fachwissen und einer Portion "Pferdeverstand" nicht über genügend Nervenstärke verfügt, auch dem anspruchsvollsten Pferdeeigner noch mit Geduld und Freundlichkeit zu begegnen, sollte ebenfalls über das Projekt Pensionsstall noch einmal nachdenken. Bevor man aber als
Landwirt die Einkommensalternative Pferdehaltung gänzlich abschreibt, lohnt es sich (zumindest auf Grünlandstandorten), eine weitere Variante zu prüfen.
Weidehaltung für Aufzuchtfohlen
Nicht nur aktive Sport- und Freizeitpferde brauchen nämlich eine adäquate Unterbringung. Vor allem für Aufzuchtfohlen und für Senioren und Rekonvaleszenten werden gute und vor allem günstige Unterstellmöglichkeiten gesucht. Und die dürfen sich meist auch gern ein wenig weiter weg vom Wohnort des Besitzers befinden. Zudem verlangen sie weder ein Reitwegenetz noch Reithallen oder Longierplätze. Auch Ausbilder und speziell geschultes Fachpersonal sind unnötig. Wer seine Weiden für die Jungpferdeaufzucht zur Verfügung stellen will, sollte sicher sein, dass die Koppeln ausbruchsicher sind. Pferde lassen sich auf der Weide durchaus mit Rindern vergesellschaften. Vorteil: Große Flächen mit viel Bewegungsspielraum. Allerdings sind gerade junge Tiere oft weit ungestümer als Kühe oder Kälber. Zwar berichten Anwender von einer gewissen beruhigenden Wirkung abgeklärter Rinder auf Fohlen und Jungpferde, doch verlassen sollte man sich vor allem bei edleren Rassen auf diesen Effekt nicht. Beide Tierarten teilen sich zwar die Weidefläche, gehen sich aber weitgehend aus dem Wege (was selbstredend genügend Platz voraussetzt). Um eine Fohlenherde halbwegs in Schach zu halten, eignet sich daher ein gelassenes Altpferd weit besser als eine Rinderherde.
Gesunde Jungpferde sind für eine Robusthaltung generell geeignet, das gilt selbst für Vollblutfohlen, denen man allerdings Zeit geben muss, ein geeignetes Winterfell aufzubauen. Absetzer im Spätherbst vom Stall auf eine Weide zu versetzen, provoziert eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit. Das gilt natürlich auch für ausgewachsene Pferde, die bislang überwiegend in gut isolierten Ställen gehalten wurden. Eine Weidehaltung ohne Unterstellmöglichkeit (windgeschützte Hütten mit trockener Einstreu) ist für Pferde ungeeignet. Auch im Hochsommer brauchen die Tiere entsprechenden Schutz vor Unwettern und vor hoher Sonneneinstrahlung.
Solide Koppeln und Heufütterung
Der Weide selbst kommt eine kombinierte Pferde- und Rinderhaltung oft zugute, da Pferde allein Geilstellen stehen lassen, die sonst nach- gemäht werden müssten. Bei einer Gemeinsamhaltung sollte allerdings auf eine sorgfältige Parasitenkontrolle und -behandlung geachtet werden, da sich Pferde und Rinder gegenseitig infizieren können, und erstere besonders auf Große Leberegel und Lungenwürmer extrem empfindlich reagieren. Vor allem jüngere, sehr aktive Pferde stellen höhere Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit, da schnelle Galoppeinlagen zum täglichen Bewegungsbedarf der Tiere gehören. Vorsicht geboten ist bei Weidefutterergänzung, vor allem in der kalten Jahreszeit. Pferde brauchen als Raufutter Heu (evt. auch Heulage, also silierter, stark vorgetrockneter Spätschnitt). Silage ist vor allem in größeren Mengen für Monogaster ungeeignet, wird aber dennoch nicht selten gefressen, was zu erheblichen gesundheitlichen Störungen führen kann. Werden beide Tierarten gemeinsam gehalten, muss die Zufütterung getrennt erfolgen oder gänzlich auf Heu umgestellt werden. Pferde sind bei der Wasserversorgung meist heikler als Rinder, zudem bekommen ihnen nasse Futter- und Tränkplätze schlecht. Hier muss auf entsprechende Anlagen geachtet werden.
Lebensabend im Grünen
Neben der Jungpferdeaufzucht bietet sich für Grünlandbetriebe die Pensionshaltung alter und rekonvaleszierender Pferde an. Viele Pferdehalter möchten ihre "Rentner" gut untergebracht wissen, ohne die hohen Kosten einer Reitpferdepension zu entrichten. Generell sind solche Tiere meist sehr menschenbezogen und einfacher im Umgang als Fohlen, allerdings sollte ein pferdeerfahrender Tierarzt für Notfälle stets erreichbar sein. Zudem ist vor der Übernahme mit dem Besitzer eindeutig vertraglich zu klären, wie das Pferd zu behandeln (noch leichte Reit- oder Fahrnutzung?), zu füttern und zu pflegen ist und wer im akuten Notfall über eine Behandlung oder eine Euthanasie entscheiden darf (bzw. für deren Kosten aufkommt). Da Pferde in der Regel einen hohen emotionalen Wert besitzen, kann es hier schnell zu kostspieligen Missverständnissen kommen. Wichtig: Die Tiere sollten immer versichert sein, auch wenn sie nicht mehr geritten oder gefahren werden. Alte Pferde stellen etwas höhere Ansprüche an eine bequeme Unterbringung, sind allerdings bei entsprechender Gewöhnung ebenfalls problemlos robust zu halten. Genau wie für Jungpferde gilt aber: Rinder sind keine Sozialpartner für Pferde. Die Tiere akzeptieren einander, eine Gesellschaft von Artgenossen ersetzen sie nicht. Wer sich also mit dem Gedanken an die Beherbergung junger oder alter Pferde trägt, sollte rechtzeitig für genügend Gesellschaft sorgen. Die alte "Weisheit", dass eine Ziege ein guter Weide- oder Stallpartner für ein Pferd sei, gehört ins Reich der Märchen.
Fazit: Grünlandbetriebe mit entsprechendem Flächenangebot eignen sich gut als Weidepension für Aufzuchtfohlen oder alte Pferde. Wichtig sind sicher umzäunte, trittfeste Flächen, schützende Unterkünfte, eine adäquate Futterversorgung (keine Silage als Winterfutter!) und ein erfahrener Tierarzt in der Nähe. Alle Fragen der Haltung und des Umgangs sollten im Vorfeld vertraglich mit dem Besitzer geregelt sein. Die Weidepensionshaltung von Fohlen oder Pferdesenioren als Einkommensalternative erfordert allgemeinen Sachverstand, aber nicht zwangsläufig eine Spezialausbildung. Fachliche Unterstützung finden Interessenten bei der Landwirtschaftsberatung oder bei Interessenverbänden.
(le) NL
In guter Gesellschaft (04.11.2011)
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