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[ » NL NEUE LANDWIRTSCHAFT » Fachthemen » Tier » Krank in der Frühlaktation? ]
Donnerstag, 17.05.2012
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Tier | 24.10.2011

Krank in der Frühlaktation?

Die meisten Erkrankungen bei Milchkühen verursachen Milchausfälle. Dabei ist entscheidend für die Leistungsminderung, zu welchem Zeitpunkt in der Laktation die Kuh zum ersten Mal erkrankt und wie oft sie aufs Neue zur Patientin wird.
Fruchtbarkeitsstörungen zeigen bei den Milchkuhkrankheiten die höchste Häufigkeit. Für die weitere Leistung ist vor allem erheblich, wie früh in der Laktation die Kuh erkrankt ist. Foto: krick/agrar-press
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Fruchtbarkeitsstörungen zeigen bei den Milchkuhkrankheiten die höchste Häufigkeit. Für die weitere Leistung ist vor allem erheblich, wie früh in der Laktation die Kuh erkrankt ist. Foto: krick/agrar-press
 Dr. Birgit Rudolphi, Institut für Tierproduktion Dummerstorf 
 
Die Gesunderhaltung hat bei Nutztieren einen hohen Stellenwert. In der landwirtschaftlichen Tierhaltung gibt es dafür auf wissenschaftlicher Basis entwickelte Systeme der Haltung und Fütterung.
Kühe können sich heutzutage in hellen und gut durchlüfteten Ställen frei bewegen, sie haben Liegeboxen, in manchen Ställen sind Lüfter zur Verbesserung des Stallklimas angebracht. Diese und weitere Maßnahmen sollen dazu beitragen, das Wohlbefinden der Tiere zu erhöhen. Dennoch bleibt es nicht aus, dass Kühe wie auch Menschen erkranken. Sie müssen dann rechtzeitig behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich Erkrankungen negativ auf die Leistung von Nutztieren auswirken. Daher wurden an einem umfangreichen Datenmaterial die Auswirkungen von Erkrankungen auf die Milchleistung von Kühen analysiert.
 
 
 

Erkrankungsfrequenzen

Von 18 ProFit-Testherden der Rinderzucht Mecklenburg-Vorpommern GmbH (RMV) wurden im Zeitraum von drei Jahren 312.009 Behandlungen/Diagnosen registriert und dem Institut für Tierzucht Dummerstorf zur Auswertung übergeben. Um die Ergebnisse in den verschiedenen Herden vergleichen zu können, wurden gleiche Diagnosen, die sich innerhalb von 14 Tagen beim selben Tier wiederholten, als Nachbehandlungen gewertet und zu einer Erkrankung zusammengefasst. Ausgewertet wurden Kühe, die im Zeitraum vom 1. Januar 2007 bis zum 31. Dezember 2009 gekalbt hatten. Erkrankungen, Fruchtbarkeits-, Milch- und Abgangsdaten lagen bis zum 31. Mai 2011 vor. Zuchttierverkäufe und Kühe, die weniger als 250 Melktage pro Laktation hatten, wurden nicht berücksichtigt. Danach ergab sich ein Materialumfang von 37.851 Kalbungen. Die Erkrankungsfrequenz (auch als Inzidenz bezeichnet) ist der Anteil mindestens einmal pro Laktation erkrankter Kühe an den Gesamtkalbungen. Tabelle 1 enthält die Erkrankungsfrequenzen pro Kuh und Laktation sowie den Anteil Ersterkrankungen in den ersten 10 bzw. 100 Tagen nach der Kalbung für die berücksichtigten Krankheitskomplexe. Zyklusstörungen wurden, da es sich nicht um Erkrankungen im eigentlichen Sinne handelt, nicht berücksichtigt. Über alle Laktationen hinweg trat mit 42,8% die höchste Erkrankungsfrequenz bei dem als "Fruchtbarkeit" bezeichneten Krankheitskomplex auf, gefolgt von klinischer Mastitis (32,2%) und Klauenerkrankungen (30,7%). In diesen Komplexen wurden darüber hinaus auch die höchsten Erkrankungshäufigkeiten je kranke Kuh registriert. 82 % aller erfassten Ersterkrankungen entfielen auf den Zeitraum zwischen dem 0. und dem 100. Laktationstag. Die Verteilung ist aber für die einzelnen Krankheitskomplexe sehr unterschiedlich. 64% aller Ersterkrankungen bei Mastitis traten bis zum 100. Laktationstag auf, bei Klauenerkrankungen waren es 52% und bei Fruchtbarkeit 93 %. Bei den Stoffwechsel- bzw. Geburtsstörungen wurden bereits im Zeitraum vom 0. bis 10. Tag nach der Kalbung 76 bzw. 82% der Ersterkrankungen registriert. Bei der Bewertung der Erkrankungshäufig- keiten ist zu berücksichtigen, dass die Testherdenmanager angehalten sind, alle Behandlungen/Diagnosen einschließlich Nachbehandlungen nach einem einheitlichen Schlüssel und einheitlicher Vorgehensweise zu erfassen. Darüber hinaus ist die Anzahl der Erkrankungen abhängig davon, wie viele verschiedene Diagnosen überhaupt registriert und ausgewertet werden. Je mehr verschiedene Diagnosen berücksichtigt werden, umso höher ist natürlich die Erkrankungsrate insgesamt. Da es um eine möglichst umfassende Bewertung des Gesundheitsstandes und die Beziehungen zur Milchleistung geht, wurden alle relevanten Diagnosen berücksichtigt. Für klinische Mastitis und Klauenerkrankungen kommt es zu einer Verdopplung von 20% bei den Jungkühen auf über 40% bei Kühen ab der vierten Laktation. Bei Stoffwechselstörungen ist auch ein Anstieg um 20 Prozentpunkte von Jungkühen bis zu den Tieren mit mehr als drei Laktationen zu verzeichnen, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau (von 0,5 auf 21%). Geburtsstörungen zeigen erwartungsgemäß einen umgekehrten Trend. Hier tritt mit 8,7% in der ersten Laktation die höchste Erkrankungsfrequenz auf. Zwischen den weiteren Laktationen gibt es keine gesicherten Unterschiede.

Einfluss auf die Milchleistung

Die Kühe wurden in gesunde (keine Erkrankung in den zuvor genannten Krankheitskomplexen) und kranke eingeteilt, zudem wurde der Laktationstag der ersten Erkrankung erfasst. Über alle Laktationen hinweg hatten 22,9% der Tiere keine Behandlung. Ihr Anteil variierte zwischen 28,7% bei Jungkühen und 11,9% bei Kühen ab der vierten Laktation. In dem kurzen Zeitraum bis zehn Tage nach der Kalbung wurden bereits 45,2% aller Ersterkrankungen registriert. Dem gegenüber erkrankten 17,9% der Kühe erstmals nach dem 100. Laktationstag. Generell war in jeder Laktation der Anteil Kühe, die gleich zu Beginn der Laktation behandelt wurden, am höchsten. Das ist insofern von wirtschaftlicher Bedeutung, weil gerade die zu Beginn der Laktation erkrankten Kühe die höchsten Milchverluste im Vergleich zu allen anderen Kategorien aufwiesen. Diesen relativ starken Leistungsabfall haben die früherkrankten Tiere einerseits, weil die ersten hundert Tage der Laktation der Zeitraum der höchsten Leistungsbereitschaft sind und somit auch der mögliche tägliche Milchverlust größer ist. Hinzu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit für weitere bzw. wiederholte Erkrankungen umso höher liegt, je früher in der Laktation die erste Erkrankung auftritt. Über alle Laktationen ist die Erkrankungshäufigkeit der insgesamt bis zum 100. Laktationstag (LT) erkrankten Kühe mit 3,58 (bis 10. LT) bzw. 2,97 (11. bis 30. LT) bzw. 2,71 (31. bis 100. LT) Erkrankungen deutlich höher als bei Kühen, die das erste Mal nach dem 101. Laktationstag erkrankten (2,02 Erkrankungen). Dieser Trend ist für jede Laktation zu verzeichnen. Die hohe Erkrankungsfrequenz zu Beginn der Laktation rührt natürlich unter anderem daher, dass die Kühe in der Zeit nach der Abkalbung allgemein sehr empfindlich sind. Sie werden teilweise durch die Kalbung an sich, durch Folgen von Schwer- und Totgeburten, durch Ansteckungen im Abkalbebereich, durch zu geringe Futteraufnahme usw. in Mitleidenschaft gezogen. Zum anderen stehen die Tiere in dieser Phase aber auch verstärkt unter Kontrolle. Wo viel beobachtet wird, wird auch viel erkannt. Bestimmte Maßnahmen (Mastitistest, Klauenschnitt, Puerperalkontrollen, Fieber messen usw.) sind speziell auf diesen Zeitraum ausgerichtet. Kranke Kühe müssen behandelt werden, da es sonst zu schwereren Folgeschäden oder zum Gesamtverlust kommen kann. Das wäre teurer als wiederholte Behandlungen, zudem widerspräche es dem Tierschutzgedanken. Allerdings müssen die Landwirte täglich aufs Neue einen wahren Spagat bei der Entscheidung "behandlungswürdig oder nicht" vollziehen.

Häufigkeit von Neuerkrankungen

Die kranken Kühe wurden auch nach der An- zahl ihrer Erkrankungen eingeteilt. Bei 77,1% der Kühe wurde mindestens eine Erkrankung registriert. In der ersten Laktation war der Anteil gesunder Kühe mit 28,7% mehr als doppelt so hoch wie der Anteil mindestens viermal kranker Kühe (12,5%). Bei den älteren Tieren kehrt sich das Verhältnis um. Ab der vierten Laktation wurde bei 11,9% der Kühe keine Erkrankung registriert, während 38,8% mindestens viermal erkrankten. Es wurden die Abweichungen der Milchmengen ein- bzw. mehrfach erkrankter Kühe von der Leistung gesunder in den einzelnen Laktationen berechnet. Die Ergebnisse zeigen, dass es in jeder Laktation zu krankheitsbedingten Leistungsminderungen kam. Diese fallen generell niedriger bei Kühen mit nur einer Erkrankung aus als bei Kühen mit mindestens vier Erkrankungen. Insgesamt ergab sich eine Leistungsdifferenz von 285 kg Milch pro kranke Kuh und Laktation gegenüber Kühen ohne Behandlung. Da bestimmte Einzelerkrankungen keine Milchmengenminderung nach sich ziehen, sind die hier anhand der Gesamterkrankungen berechneten Minderleistungen sicherlich unterschätzt.

Milchausfall der Herde

Bislang wurde die Minderleistung pro erkrankte Kuh und Laktation ausgewiesen. Bei der Bewertung der Milchverluste auf Herdenbasis muss jedoch der Anteil kranker Kühe in jeder einzelnen Kategorie berücksichtigt werden. Wird eine einhundertköpfige Herde angenommen, fallen anhand der vorliegenden Zahlen in die Kategorie "erste Laktation/eine Erkrankung" 11,1 Kühe. In der Kategorie "erste Laktation/mindestens vier Erkrankungen" waren es 4,8 Kühe. Gesund (keine registrierten Erkrankungen) waren danach in den einzelnen Laktationen 11,2 (erste Laktation), 7,1 (zweite Laktation), 2,8 (dritte Laktation) und 1,8 Kühe (ab vierter Laktation), also insgesamt 22,9 Kühe. Ausgehend von der Anzahl Kühe in jeder einzelnen Kategorie wurden die krankheitsbedingten Minderleistungen ermittelt (Anzahl Kühe in der entsprechenden Kategorie × Leistung in der entsprechenden Kategorie). Als Referenzbetrieb wurde eine "gesunde Herde" konstruiert, deren Gesamtmilchmenge anhand der gesunden Kühe in den einzelnen Laktationen berechnet wurde. Den Ergebnissen dieser gesunden Herde wurden die Ergebnisse der Herde mit 77,1% mindestens einmal erkrankter Kühe (aktuelle Herde) gegenübergestellt (Tabelle 4). Insgesamt ergab sich durch Erkrankungen für die aktuelle 100er Herde ein Milchausfall von 22.010 kg bzw. 2,22% gegenüber einer gesunden 100er Herde. Mit steigender Laktationszahl steigt der prozentuale Verlust von 1,17 in der ersten auf 2,80% ab der vierten Laktation.
Die höchsten Erkrankungsfrequenzen wurden für Fruchtbarkeitsstörungen mit 42,8%, klinische Mastitis mit 32,2% und Klauenerkrankungen (30,7%) festgestellt. Bei allen untersuchten Krankheitskomplexen (außer Geburtsstörungen) stieg die Erkrankungsrate mit steigender Laktationsnummer. Wie stark sich die Milchmenge kranker von der gesunder Kühe unterscheidet, wird wesentlich durch den Laktationstag der ersten Erkrankung bestimmt. Der höchste Milchausfall ergab sich bei Kühen, deren erste Erkrankung im Zeitraum bis zehn Tage p. p. registriert wurde. Diese hatten einen Anteil von 45,2% an den Gesamterkrankungen und ein stark erhöhtes Risiko für Mehrfacherkrankungen. Die niedrigsten Milchminderungen hatten Tiere, die erstmals nach dem 100. Laktationstag behandelt wurden. Auch die Erkrankungshäufigkeit hat einen deutlichen Einfluss auf die Milchmengenminderung. Die höchsten Abweichungen je kranke Kuh wurden bei Tieren mit mehr als drei Erkrankungen pro Laktation errechnet. Erkrankte Kühe müssen rechtzeitig und gezielt behandelt werden. Gleichzeitig sollten jedoch alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Erkrankungsraten zu senken. Dazu gehört eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt. Dieser sollte auch entscheiden, wann eine Kuh noch "behandlungswürdig" ist. Die Dokumentation aller Erkrankungen im PC sollte in jedem Betrieb zum Standard gehören. Nur so können aktuelle Übersichten erstellt und notwendige Maßnahmen eingeleitet und kontrolliert werden. Die hier gezeigten Ergebnisse beinhalten nur die Milchleistungsminderungen aufgrund von Erkrankungen. Darüber hinaus entstehen weitere Verluste durch nicht abgelieferte Hemmstoffmilch, vorzeitigen Abgang erkrankter Kühe, verschlechterte Fruchtbarkeit, Medikamenten- und Tierarztkosten und zusätzlichen Arbeitsaufwand.
 (le)  NL
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