Donnerstag, 23.02.2012
Neubau oder Modernisierung
Die Mitglieder des Interessenverbandes Milcherzeuger (IVM) kommen 2011 in ihren großen Anlagen auf eine Milchleistung von über 9.400 kg je Kuh. Die Unternehmen richten ihre Investitionen auf neue Ställe und auf moderne Stalltechnik. Ziele sind ein höherer Kuhkomfort und gute Arbeitsbedingungen für ein hoch qualifiziertes Fachpersonal bei möglichst niedrigen Kosten. NL berichtet anhand einer internen Betriebsauswertung, wie sich die Mitgliedsunternehmen auf die Zukunft nach der Quote einstellen.
Aufmerksame Zuhörer bei der sehr gut besuchten IVM-Mitgliederversammlung in Pirna/Sachsen, wo der Meinungsaustausch zwischen den IVM-Mitgliedern großen Raum einnahm.
Dr. Klaus Siegmund, Geschäftsführer des Interessenverbandes Milcherzeuger (IVM)
Die Mitgliedsunternehmen des Interessenverbandes
Milcherzeuger (IVM) erzielten 2011 nach noch vorläufigen
LKV-Auswertungen eine durchschnittliche Milchleistung von 9.436 kg.
Damit übertreffen sie das schon hohe Leistungsniveau der ostdeutschen
Milcherzeuger, welches vom VIT Verden für das Milchleistungsjahr
2010/2011 (bis 30. September 2011) mit 8.976 kg je Kuh ausgewiesen
wurde, noch um 460 kg (vgl. Tabelle 1). Den hohen Leistungen steht ein
nur durchschnittliches Niveau relevanter Reproduktionskennziffern
gegenüber, z.B. Reproduktionsrate, Nutzungsdauer und Lebensleistung.
Sowohl
Milchleistungen als auch Reproduktionsleistungen sind allerdings
zwischen den Unternehmen des Verbandes relativ stark differenziert. Hier
liegen, das war zusammengefasst ein wichtiges Fazit des internen
Betriebsvergleichs, die größten Reserven für eine höhere
Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung in den meisten Unternehmen. Dafür
tätigen die Milcherzeugerbetriebe derzeit und in den nächsten Jahren
enorme Investitionen und stellen sich damit zugleich auf die
Anforderungen der Zukunft ein. Hauptzielrichtung dieser Investitionen
sind neben hohen Milchleistungen und guten Reproduktionsergebnissen
niedrige Kosten je kg Milch. Als ganz wichtig sehen es die Unternehmen
aber auch an, die Investitionen auf einen hohen Kuhkomfort und
verbesserte Arbeitsbedingungen bei einer gleichzeitig angemessenen
Entlohnung der Mitarbeiter zu richten. Nachfolgend im einzelnen
Ergebnisse der internen Betriebsauswertung.
Hohe, aber differenzierte Milchleistungen
Die Unternehmensphilosophie hinsichtlich der Höhe der Milchleistungen und der entsprechenden Zielstellungen für ein zukünftiges Leistungsniveau in den nächsten Jahren ist bei den Mitgliedsbetrieben sehr unterschiedlich ausgeprägt. Ungeachtet dessen war ein wichtiges Ergebnis des internen Betriebsvergleiches und des entsprechenden Meinungsaustausches der IVM-Mitglieder auf der Jahrestagung: Die Milchleistung je Kuh ist und bleibt zwar nicht die alleinige, aber nach wie vor mit die wichtigste Kennziffer im Unternehmen. Die Milchleistung entscheidet maßgeblich über die Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung. Der IVM-Betriebsvergleich 2011 hat, wie schon in den Vorjahren, zudem gezeigt, dass die Unternehmen mit den höchsten Milchleistungen zumeist auch die besten betriebswirtschaftlichen Kennziffern haben, die besten Reproduktionskennziffern eingeschlossen (vgl. Tabelle 2). Diese Ergebnisse widersprechen, ohne Zusammenhänge in Abrede zu stellen, der vielfach geäußerten Meinung, dass hohe und sehr hohe Milchleistungen oft viel zu teuer erkauft werden und auf Kosten der Reproduktion der Kuhbestände und der Gesundheit der Kühe erfolgen. Die Zusammenhänge von Milchleistung, Fruchtbarkeit und Reproduktionsergebnissen waren auch das Thema eines von den Mitgliedern viel beachteten Fachvortrages von Prof. Dr. Gerhard Breves von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, der die Ergebnisse der Betriebsauswertung bestätigte.
Reproduktionskennziffern verbessern
Die teilweise zugespitzte Diskussion zu den Zusammenhängen zwischen Milchleistung, Reproduktion der Bestände und Fruchtbarkeitsmanagement der Milchkühe in großen Milchviehanlagen brachte Klaus Griepentrog, Inhaber der Milchviehanlage Steinhagen (Mecklenburg-Vorpommern) einer der Spitzenbetriebe des Verbandes auf den Punkt: Er legte am Beispiel der Entwicklung seines Unternehmens in den letzten 20 Jahren dar, dass gerade in großen Milchviehanlagen hohe Milchleistungen in Steinhagen wurden in den letzten beiden Jahren mit einem Bestand von rund 1.500 Kühen im Schnitt fast 12.000 kg je Kuh gemolken mit hohen Lebensleistungen (durchschnittlich 35.000 kg), einer hohen Nutzungsdauer der Milchkühe (durchschnittlich 37 Monate) und einer ansprechenden Reproduktionsrate (durchschnittlich 27 Prozent) zusammengehen. Das wurde am Rande der Jahrestagung von weiteren Unternehmen mit einem hohen Leistungsniveau bestätigt. Letztlich, so das Fazit, entscheidet in erster Linie das Management des Unternehmens darüber, ob die Milcherzeugung auch zukünftig wirtschaftlich erfolgt vorausgesetzt die agrarpolitischen Vorgaben stimmen.
Erfahrungsaustausch ist die billigste Investition
Die IVM-Mitgliedsunternehmen sind derzeit auf dem besten Wege, die technologischen Voraussetzungen für ihre zukünftige Milcherzeugung zu sichern. Dafür haben sie in den nächsten Jahren umfangreiche Investitionen geplant. Schwerpunkte der Investitionen sind neue Ställe, insbesondere für Jungvieh und zur Erweiterung der derzeitigen Milchkuhbestände. Einige Unternehmen planen allerdings auch den Bau einer neuen Stallanlage als Ersatz für die derzeitige Milchviehanlage. Die meisten Unternehmen mit 1930er und 1232er Typenanlagen gehen bei ihren Investitionen aber davon aus, ihre Milchviehanlagen so zu modernisieren, dass sie den technologischen Anforderungen einer zukünftigen Milcherzeugung gut gewachsen sind. Eine besondere Rolle bei den geplanten Investitionen spielen Überlegungen, Automatische Melksysteme (AMS) einzusetzen. Dazu will der IVM 2012 eine entsprechende Fachexkursion für die Mitgliedsbetriebe anbieten. Das Motto des Verbandes "Erfahrungsaustausch ist die billigste Investition", hat auch die Jahrestagung 2011 in Sachsen geprägt. Besichtigt wurden die Milchviehanlagen der Großdrebnitzer Agrar GmbH und des Landwirtschaftlichen Unternehmens Großerkmannsdorf. Neben dem Erfahrungsaustausch zu den jährlichen Fachtagungen des Verbandes finden zwischen den Mitgliedsbetrieben zahlreiche bilaterale Treffen statt, wo in vertrauensvoller Atmosphäre Erfahrungen weitergegeben werden, insbesondere zum Management der Unternehmen und bei der Vorbereitung großer Investitionen. Dabei, da sind sich die IVM-Mitgliedsunternehmen einig, lässt sich viel Geld sparen. Das ist übrigens einer der Gründe, warum gerade in den letzten drei Jahren die Mitgliederzahl im Verband deutlich gestiegen ist. (us) NL
Neubau oder Modernisierung (16.01.2012)
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