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[ » NL NEUE LANDWIRTSCHAFT » Fachthemen » Pflanze » Nicht nur Zucker-Rohstoff ]
Donnerstag, 17.05.2012
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Pflanze | 24.10.2011

Nicht nur Zucker-Rohstoff

Zuckerrüben waren bis vor wenigen Jahren in erster Linie ein wertvoller und in unseren Breiten der einzige Rohstoff für die Zuckererzeugung. Darauf waren sowohl die Züchtungsbemühungen als auch die Anbau- und Verarbeitungstechnologien ausgerichtet. In den letzten Jahren sind aber auch die anderen "Talente" der Kultur erkannt worden. Welche Verwertungsrichtungen sind das und wie wirken sie sich auf die Anbauverfahren aus?
Nicht nur Zucker-Rohstoff
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Nicht nur Zucker-Rohstoff
 Dr. Andreas Windt   1  , Prof. Dr. Christa Hoffmann  2 
Bis vor wenigen Jahren lag der ausschließliche Verwendungszweck der Zuckerrübe in der Gewinnung von Zucker. Die Rüben wurden angebaut, um am Ende der Vegetationszeit in die Zuckerfabrik transportiert zu werden. Dort wurden sie entsteint und gewaschen, um dann über Zuckerextraktion, Saftreinigung, Kristallisieren und Zentrifugieren den eigentlichen Kristallzucker zu gewinnen. Inzwischen haben aber nicht nur Zuckererzeuger die Vorzüge der äußerst ertragreichen Frucht erkannt, so dass die Rüben für weitere Verwendungszwecke eingesetzt werden (Abbildung 1).
Bei der Zuckergewinnung fallen Schnitzel und Carbokalk als zusätzliche wertvolle Rohstoffe an, hinzu kommt seit einiger Zeit die Verwertung zu Bioethanol und Biogas. Theoretisch ist auch eine Nutzung des Blattes in der Biogasanlage denkbar. Bei Verwertung von Rübe und Blatt liegt der Trockenmasseertrag der Zuckerrübe je Hektar deutlich über dem von Mais. Allerdings ist die Nutzung des Blattes auf Grund des geringen Trockenmassegehaltes und damit der mangelnden Transportwürdigkeit zur Zeit nicht attraktiv, so dass im Folgenden hierauf nicht eingegangen wird.

Rüben für die Ethanolfabrik?

Mit der Anpassung der Zuckermarktordnung 2006 kam es zu großen Umbrüchen mit deutlichen Auswirkungen auf die Rübenproduktion: Die Novellierung führte zu einer Reduktion der Zuckerproduktion um rund 30 %, verbunden mit Werksschließungen von mehreren Zuckerfabriken und einem entsprechenden Rückgang der Anbaufläche. Um diesen zu kompensieren und gleichzeitig in den Markt für erneuerbare Energien einzusteigen, entschlossen sich sowohl Südzucker (mit seiner Tochter Crop energies in Zeitz) als auch Nordzucker (mit der Tochter fuel 21 in Klein Wanzleben) und Suiker Unie in Anklam, in die Bioethanolproduktion einzusteigen. Diese drei Werke sind die einzigen in Deutschland, in denen Bioethanol aus Rüben gewonnen wird. Allen ist gemeinsam, dass sie an eine Zuckerfabrik "angehängt" sind, man spricht daher von sogenannten "Annexanlagen". Zur Versorgung der Bioethanolwerke werden bundesweit seit 2007 mehrere 10.000 ha Bioethanolrüben angebaut. In den meisten Fällen handelt es sich um Vertragsanbau zwischen Zuckerindustrie und Landwirten. Ein Teil der Rüben, die in die Ethanolanlage gehen, sind aber auch so genannte Überrüben, d. h. Rüben, die über die vertraglich vereinbarte Menge an Quoten- oder Ethanolrüben hinaus anfallen. Der Anbau von Ethanolrüben erfolgt nicht nur im Einzugsgebiet z. B. der Zuckerfabrik Klein Wanzleben, sondern auch im gesamten Einzugsgebiet der Nordzucker AG. Durch das Äquivalenzprinzip ist es möglich, dass Bioethanolvertragsrüben für die Zuckergewinnung verwendet werden, während auf der anderen Seite die entsprechende Menge Zuckerrüben zu Ethanol verarbeitet wird.

?oder den Fermenter

Fast zeitgleich mit der Inbetriebnahme der Zuckerrüben-Bioethanolanlagen begann eine Experimentierphase für den Einsatz in Biogasanlagen. Bis dahin wurde fast ausschließlich Mais eingesetzt, da Zuckerrüben wegen ihres Erdanteils und auch der mitgelieferten Steine als nicht sinnvoll angesehen wurden. Außerdem ist die Konservierung von Zuckerrüben nicht so einfach wie die von Mais. Allerdings werden in der Praxis gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Zuckerrüben in der Biogasanlage gemacht. Insbesondere die schnelle Umsetzung innerhalb von wenigen Tagen mit hoher Methanbildung hat sich als großer Vorzug erwiesen. Daher werden mittlerweile in Deutschland auf rund 4.500 ha Zuckerrüben zur Biogasproduktion angebaut.

Welches Anbauverfahren für welches Produktionsverfahren?

Wenn aus der einen Rübe Zucker, der zweiten Ethanol und aus der dritten Methan erzeugt wird, liegt die Vermutung nahe, dass jeder Verwertungszweck ein eigenes Produktionsverfahren erfordert. Doch alle drei Verwertungsrichtungen arbeiten mit einem gemeinsamen Ziel: ein maximaler Kohlehydratertrag und damit Zuckerertrag je ha. Denn anders als beim Weizen, bei dem ein hoher Eiweißgehalt ein wichtiges Qualitätsmerkmal darstellt, sind in Rüben zur Zuckerproduktion Stickstoffverbindungen unerwünscht und auch bei den anderen Produktionsrichtungen nicht vorrangiges Ziel. Für die Zucker- und Ethanolproduktion wird der Zucker in der Rübe genutzt, für die Biogasproduktion wird die gesamte Trockenmasse fermentiert. Dabei hat der Trockenmasseertrag der Rübe eine sehr enge Beziehung zum Zuckerertrag (Abbildung 2).
Damit ist auch die Frage beantwortet, welche Rübensorte für welches Verfahren optimal ist. Die Sorte mit dem höchsten Zuckerertrag ist für jede Verwertungsrichtung die Beste, da sie auch den höchsten Trockenmasseertrag erzielt. Insofern ist es kein Problem, wenn eine Bioethanolvertragsrübe nicht in der Bioethanolanlage, sondern in der Zuckerfabrik verarbeitet wird. Für Biogasrüben gilt dieses gleichermaßen, mit einem kleinen Unterschied: Während sowohl für die Zucker- als auch für die Ethanolproduktion die innere Qualität der Rübe, also ein niedriger Gehalt an Kalium, Natrium und Amino-N, von größter Bedeutung ist, spielt das bei Biogasrüben keine Rolle. Entsprechend sind die Ansprüche an die innere Qualität bei Biogasrüben nicht ganz so hoch wie bei Zuckerrüben. In Fachkreisen wurde immer wieder diskutiert, ob für die Biogasproduktion eine Futterrübe nicht besser als eine Zuckerrübe sei. Aktuelle Ergebnisse zeigen jedoch, dass Futterrüben zwar einen höheren Rübenertrag aufweisen, auf Grund ihres niedrigen Zuckergehalts aber insgesamt im Zuckerertrag deutlich niedriger liegen als Zuckerrüben. Ab dem Herbst 2011 werden Zahlen aus Sortenversuchen für Biomasserüben von mehreren Standorten zur Verfügung stehen, so dass auch Sorten für die Biogasproduktion auf Grundlage belastbarer Zahlen gewählt werden können.
Bei der Düngung gilt grundsätzlich das Gleiche wie bei der Sortenwahl: Ziel muss sein, den höchsten Zuckerertrag je Hektar zu erzielen, da so auch der höchste Trockenmasseertrag erreicht wird. Bei Zuckerrüben ist seit vielen Jahren bekannt, dass eine maßvolle Stickstoffdüngung (N-Angebot aus Düngung und Bodenvorrat max. 160 kg/ha) zu höchsten Zuckererträgen führt. Gleiches gilt für Ethanolrüben. Bei Biogasrüben nahm man dagegen lange Zeit an, dass eine höhere N-Düngung zu höheren Erträgen führt. Dieses mag beim Rübenertrag zutreffen, für den Trockenmasseertrag gilt das aber nicht, wie neueste Ergebnisse aus dem Institut für Zuckerrübenforschung zeigen (Abbildung 3, Seite 55): Eine N-Düngung von 100 kg/ha reichte für die höchsten Trockenmasseerträge (und damit Zuckererträge) aus. Nur dann, wenn auch das Blatt verwertet werden soll, kann die N-Düngung geringfügig erhöht werden. Auch beim Pflanzenschutz ergeben sich keine Änderungen gegenüber dem "normalen" Zuckerrübenanbau. Besonderes Augenmerk muss auf eine erfolgreiche Unkrautkontrolle und eine rechtzeitige Fungizidbehandlung gelegt werden.
Auch bei der Ernte gilt unabhängig von der Verwertungsrichtung: Ziel ist, den maximalen gewachsenen Ertrag zu ernten. Für die Zucker- wie auch die Bioethanolproduktion sollte vermieden werden, dass die Rüben zu stark geköpft werden, weil ansonsten Ertrag verschenkt wird. Da der hohe Anteil Melassebildner im Rübenkopf die Zuckerausbeute vermindert, werden der oberste Kopf sowie anhängende Blattreste für die Bezahlung von Zuckerrüben nicht berücksichtigt. Bei Biogasrüben, bei denen die innere Qualität im Gegensatz zur Zucker- und Ethanolproduktion keine Rolle spielt, kann dagegen der ganze Kopf und etwas Blatt für den Prozess sogar förderlich sein. Wenn der Rübenkopf mit geerntet wird und keinerlei Köpfung stattfindet, kann der Trockenmasseertrag der Biogasrüben um bis zu 8 % steigen (Abbildung 4).
Die Zuckerrübe ist auf Grund ihres hohen Ertragspotenzials und der vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten eine Pflanze mit Zukunft. Hierzu haben auch die hohen Ertragsfortschritte der letzten Jahre beigetragen. In Bezug auf die Produktionsverfahren gibt es bei den verschiedenen Verwendungszwecken (Zucker, Bioethanol und Biogas) fast keine Unterschiede. Entscheidend ist ein hoher Zuckerertrag, der mit einem hohen Trockenmasseertrag gleichzusetzen ist.
(ha)

Vom Reststoff zum Wertstoff
Bisher fehlte es an Informationen, welche Strohmengen mit welchem Aufwand für die energetische Nutzung erschlossen werden können, ohne dass es zu nachteiligen Auswirkungen auf die Humusbilanz kommt. Auf einer Tagung in Berlin wurden jetzt erste Ergebnisse aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums (DBFZ), der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL), dem Institut für Nachhaltige Landbewirtschaftung (INL) und dem Öko-Institut vorgestellt. Das DBFZ geht davon aus, dass jährlich in Deutschland 30 Mio. Tonnen Getreidestroh anfallen. "Bislang wird nur ein geringer Teil davon energetisch genutzt", stellte Vanessa Zeller vom DBFZ fest. Die größte Anlage befindet sich bei der TLL in Jena, im emsländischen Emlichheim wird jetzt ein großes Kraftwerk gebaut, das die "Emsland Stärke" (Emsland Group ist Deutschlands größter Kartoffelstärkeproduzent) versorgen soll. Forschungsbedarf besteht noch zu den Auswirkungen der Strohentnahme auf den Humushaushalt des Bodens. Die Menge, die auf dem Acker verbleiben muss, wurde bislang ebenso wie der Anteil der Tierhaltung allenfalls pauschal bestimmt. Unter Berücksichtigung einer ausgeglichenen Humusbilanz könnten von einer theoretischen Gesamtmenge von jährlich 30 Mio. t effektiv 8 bis 13 Mio. t entnommen werden, rechnete Christian Weiser von der TLL vor. Das entspricht 27 bis 43 % der aufgewachsenen Strohmenge. Ausschlaggebend sollten aber die Verhältnisse vor Ort sein, denn Hackfrüchte und ein ausgedehnter Energiepflanzenanbau zehren an der Humussubstanz des Bodens. Wie viel Stroh in Ihrem Landkreis zur Verfügung steht, kann in Kürze im Internet recherchiert werden. Unter der Adresse
http://strohpotenziale.dbfz.de
wird die zur Verfügung stehende Strohmenge angezeigt. Eine integrierte Kartendarstellung erleichtert dabei die Orientierung.

Wie kommt die Rohstoffabsicherung für Weizen bei den Landwirten an?
Die Emission "Rohstoffabsicherung Weizen" war ein Erfolg und bekräftigt die wachsende Bedeutung für das Risikomanagement in der Landwirtschaft. Wie die aktuelle Preisentwicklung zeigt, ein optimales Instrument zur richtigen Zeit. Die Erwartungen der Kooperationspartner Maschinenringe Deutschland GmbH und BayernLB wurden erfüllt. Wir sehen weiterhin großes Potenzial in dieser Produktreihe und freuen uns auf die kommenden Emissionen im vierten Quartal 2011.
Die Produktreihe "Rohstoffabsicherung - Weizen" ist das optimale Produkt für die Landwirtschaft. Alle relevanten Produktparameter sind eng mit der Maschinenringe Deutschland GmbH abgestimmt und somit auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft zugeschnitten. Die Landwirte profitieren von einer individuell gestaltbaren Absicherungsmenge ab einer Tonne, sind nicht an die Mindestkontraktgrößen von 50 Tonnen an der Matif gebunden und benötigen hierzu keinen direkten Zugang zur Börse oder zu einem Broker. Die Rohstoffabsicherung besticht durch ihre unkomplizierte Abwicklung über das bestehende Depot bei der jeweiligen Hausbank. Des Weiteren ist die "Rohstoffabsicherung Weizen" nicht mit einer physischen Lieferverpflichtung verbunden. Der Landwirt kann seinen Abnehmer sowie den Zeitpunkt des Verkaufes frei bestimmen und hält sich damit die Chance offen, von positiven Preisentwicklungen zusätzlich zu profitieren. Damit bleibt bei finanzieller Absicherung das höchste Maß an Flexibilität erhalten.
Die BayernLB arbeitet derzeit aktiv an einer Ausweitung ihrer Produktreihe "Rohstoffabsicherung". Nachdem bereits zwei Tranchen für den Rohstoff Diesel und eine Tranche für Weizen emittiert wurden, wird als nächster Rohstoff Raps in die Produktreihe aufgenommen. Diese Absicherungen werden wie auch bei Weizen auf die jeweiligen Kontrakte an der Matif in Paris abgestellt.
Die nächsten Emissionen für die "Rohstoffabsicherung Weizen" und "Rohstoffabsicherung Raps" werden im November 2011 in gewohnter Form stattfinden. Dabei wird prinzipiell eine Sicherung gegen fallende Rohstoffpreise angestrebt. Die Festlegung der Emissionsparameter wird zeitnah vor der Zeichnungsfrist zusammen mit der Maschinenringe Deutschland GmbH erfolgen.
Die erste Emission der "Rohstoffabsicherung Weizen" hat gezeigt, dass nicht nur eine hohe Nachfrage auf der Erzeugerseite besteht, sondern auch ein großer Bedarf auf der Abnehmerseite existiert. Dem will die BayernLB Rechnung tragen und plant daher auch eine Absicherung gegen steigende Preise. Dies ergänzt die Produktpalette der BayernLB in sinnvoller Weise und macht sie für ein weiteres wichtiges Kundenklientel z. B. Mühlen attraktiv.
Für die BayernLB und die Maschinenringe Deutschland GmbH nimmt das Thema Risikomanagement in der Landwirtschaft einen hohen Stellenwert ein. Ziel der Produktreihe ist es, "der" Rohstoffabsicherer in der Landwirtschaft zu sein. Um dieses Ziel zu unterstreichen, plant die BayernLB auch eine bundesweite Vortragsoffensive bei den Landwirten. Mit Hilfe der deutschen S-Finanzgruppe steht der BayernLB ein kompetentes Vertriebsnetzwerk zur Seite. Des Weiteren ist die BayernLB vom 13. bis 19. November 2011 auf der Agritechnica vertreten, um die aktuellen Emissionen der Produktreihe "Rohstoffabsicherung" zu präsentieren.
Das Gespräch führte Dr. Uwe Steffin.

Steckbrief: Rohstoff- absicherung Weizen
Abgesichert wird:
eine Weizenpreis-Untergrenze für eine Tonne pro Rohstoffabsicherung für einen ausgewählten Kalendermonat
Mögliche Szenarien nach Ablauf des Absicherungsmonats:
Durchschnittlicher Weizenpreis des Referenzmonats < Weizenpreis- Untergrenze
?
Ausgleichszahlung an den Käufer der "Rohstoffabsicherung Weizen" Durchschnittlicher Weizenpreis des Referenzmonats ? Weizenpreis- Untergrenze
?
Keine Ausgleichszahlung an den Käufer
Nicht nur Zucker-Rohstoff (24.10.2011)
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