Jörg Möbius, NL-Redakteur
Eine offizielle Statistik über die Fahrwerksvarianten verkaufter
Traktoren gibt es nicht. Angaben der Hersteller ermöglichen zwar kein
umfassendes Bild, zeigen aber gut Tendenzen auf. So staunten die
Teilnehmer der NL-Diskussionsrunde nicht schlecht, als Heiner
Gedecksnis, Produktspezialist Großtraktoren beim deutschen John Deere
Vertrieb in Bruchsal, bei seiner kurzen Begrüßung darauf hinwies, dass
in Großbritannien jeder dritte verkaufte Traktor der 8er-Serie ein
Raupenfahrwerk hat.
Heiner Gedecksnis , Produktspezialist Großtraktoren, John Deere Vertrieb Bruchsal
John Deere bietet die in den USA mit vielen Features
für den europäischen Markt entwickelten und dort gebauten 8R
Radtraktoren mit fünf Modellen von 260 bis 360 PS Nennleistung an. Von
der Version mit Bandlaufwerk 8RT gibt es 3 Modelle mit 310, 335 und 360
PS.
Bei der Spatenprobe: Prof. Ludwig Volk (vorn), Lars Köchling und Björn Becker (hinten)
Professor Ludwig Volk von der Fachhochschule Südwestfalen begann seinen Einführungsvortrag mit einem Plädoyer für den Bodenschutz. Anhand von Beispielen zeigte er Fehler, die immer wieder auf den Äckern zu sehen sind. Um einen Hektar zu bewirtschaften, werden jährlich zwischen 40 und 200 Liter Diesel aufgewandt. Das sind rund ein Viertel der Verfahrenskosten auf dieser Fläche. Hier lohnen diverse Maßnahmen zur Einsparung. Dazu gehört zuerst der angepasste Reifendruck auf dem Acker. Ein Zentimeter Spurtiefe mehr durch zu hohen Luftdruck im Reifen und damit verminderte Aufstandsfläche kostet zehn Prozent mehr Diesel!
Dr. Enrico Sieber , Verkaufsleiter, Porst Landtechnik GmbH, Rauschwitz
Dr. Enrico Sieber von Porst Landtechnik verwies darauf, dass für Traktoren dieser Leistungsklasse 800er Reifen von Michelin am besten geeignet seien, aber die Kundschaft bei 5.000 Euro Mehrpreis gegenüber anderen Fabrikaten allerdings diese Mehrausgabe oft nicht tätigt. Thema an diesem Tag aber war die Frage Rad oder Raupe. Deshalb informierte Prof. Volk u. a. über die Erfahrungen auf Gut Dittenfeld in der Oberpfalz. Der Verwalter Eckhard Döring hat seit 1990 mit einem MB-Trac, ausgerüstet mit einer RDS Box zur Reifendruckanpassung, gearbeitet. Mit 0,8 bar Luftdruck betrug der Schlupf rund 15 %. Die Kosten für Arbeit und Maschinen betrugen rund 450 Euro/ha. Seit 2005 wird für die schweren Zugarbeiten eine Challenger Raupe eingesetzt. Damit, so hat der Verwalter kalkuliert, muss er für Arbeit und Maschinen nur noch rund 300 Euro/ha aufwenden. Das Fazit zum Einsatz von Raupentraktoren:
Pluspunkte
- maximale Bodenschonung,
- maximale Dieseleffizienz,
- keine Probleme mit StVO,
- sehr hohe Zugleistung mit minimalem Schlupf,
- hohe Schlagkraft durch große Arbeitsbreite,
- guter Fahrkomfort im Acker,
- wirtschaftlich ab 500 Bh bei über 500 ha.
Minuspunkte
- nur für Zugarbeiten auf dem Acker,
- höhere Anschaffungskosten,
- kaum Fahrkomfort auf der Straße,
- Bodenwälle in Kurven auf dem Acker,
- nicht für Grünland geeignet.
Tabelle 1: Daten der in Deutschland angebotenen Raupenlaufwerke für die Traktoren John Deere 8RT.
Prof. Volk verwies darauf, dass auch Raupentraktoren je nach Arbeitsaufgabe mit Gewichten ausbalanciert werden müssen. Nur wenn das Band parallel mit vorne und hinten gleicher Last auf dem Boden liegt, kann auch die gegenüber Reifen bedeutend höhere Kontaktfläche gleichmäßig gering belastet werden. Mit 625 mm breiten Gummiraupen und minimaler Spurweite sind 8RT Traktoren nicht breiter als 8R Traktoren mit 650er oder 710er Reifen (Tabellen 1 und 2).
Tabelle 2: Fahrzeugbreiten John Deere 8R mit den drei gängigsten Reifenvarianten.
Mit den breiteren Gummiraupen (760 mm) kommen die 8RT Traktoren auf ähnliche Breiten wie 8R mit 800er Bereifung. Die Kontaktfläche dagegen ist bedeutend größer als bei Reifen! Dr. Sieber von Porst-Landtechnik stellte eine einfache Excel-Tabelle zum Vergleich der Maschinenkosten beim Einsatz Radtraktor oder Raupentraktor vor (Tabelle 3). Sie kann im Internet unter www.neuelandwirtschaft.de, Menüpunkt Downloads, heruntergeladen und mit eigenen Angaben zur Kalkulation genutzt werden.
Tabelle 3: Kalkulation Maschinenkosten Radraktor/Raupentraktor. Die Excel-Tabelle ist hier beispielhaft ausgefüllt. Sie kann im Internet unter www.neuelandwirtschaft.de , Menüpunkt Downloads, heruntergeladen und mit eigenen Angaben ausgefüllt werden.
Auf einem Schlag neben dem Landmaschinenhandel wurde dann noch einmal anhand der dortigen Bodenstruktur in den Fahrspuren und im Wuchsraum über das Thema Bodenschonung diskutiert.
Der Einladung zur Diskussionsrunde waren drei Unternehmer und zwei angestellte Mitarbeiter aus fünf größeren landwirtschaftlichen Betrieben gefolgt. Vier von ihnen haben 8RT-Raupentraktoren im Einsatz.
Björn Becker arbeitet für die Starzach Agrar AG, gelegen im Landkreis Tübingen (Baden-Württemberg). 650 Hektar Ackerfläche werden mit vier Traktoren zu 90 % pfluglos bewirtschaftet. Der stärkste Traktor ist ein 8400T mit 280 PS. "Mit dieser Raupe fahren wir 2 km/h schneller als mit den anderen Traktoren und verbrauchen trotzdem je Hektar zehn Liter weniger Diesel. Die Zugleistung ist beeindruckend."
Carl Graf zu Eltz ist Biogaspionier in Bayern.
Carl Graf zu Eltz ist Eigentümer von Gut Wolfring in der Oberpfalz in der Nähe von Weiden. Mit vier Traktoren bewirtschaftet er 100 ha eigenes Ackerland, 260 ha gepachteteÄcker und 200 ha in Kooperation. "Wir haben schon vor einiger Zeit eine Raupe getestet, aber damals hat uns das Fahrverhalten nicht gefallen. Mit der neuen Air-Cushion Luftkissen-Federung zwischen Fahrwerk und Rahmen ist eine deutliche Verbesserung zu spüren. Unsere 8320 RT-Raupe bringt mit 50 PS weniger Leistung als unser großer Radtraktor trotzdem eine bessere Zugleistung als der Radtraktor." Für das schnelle Arbeiten ohne Bodenwälle am Vorgewende hat Carl Graf zu Eltz folgenden Tipp: "Wird die übernächste Spur angesteuert, entsteht normalerweise kaum Schaden auf dem Vorgewende."
Nachbarn im Gespräch: Johannes Horsch (links) und Ludwig Koch bewirtschaften Betriebe in der Lommatzscher Pflege.
Johannes Horsch bewirtschaftet einen Betrieb in der Lommatzscher Pflege und gemeinsam mit Partnern drei weitere Betriebe in Tschechien. Auf den 4 Betrieben laufen im Moment, neben einer Reihe von Radschleppern, vier Raupen, zwei ältere
JohnDeere 8400 T, eine 8345 RT, sowie eine Challenger MT 865B, zwei weitere Raupen kommen in diesem Jahr dazu. "Die Raupen bringen spürbar mehr Zugkraft auf den Boden und damit eine echte Leistungssteigerung bei der Bodenbearbeitung . Manche unserer Geräte lassen sich überhaupt erst durch den Einsatz von Raupen vernünftig bewegen. Außerdem ist es uns wichtig, dass die Raupen mit der automatischen Lenkung unmittelbar nach dem Wendevorgang, sofort ihre Spur mit RTK-Genauigkeit finden. Für das absetzige Striptill-Verfahren, das wir auf unseren z.T. extrem schweren Böden einsetzen, ist dies eine entscheidende Anforderung. Die für den großen Zugkraftbedarf nötigen Knickschlepper haben hier, aufgrund ihrer Lenkung definitiv ein Problem die angestrebte Linie schnell und genau zu finden. Dort, wo wir eine Nettozugkraft von über 250 PS auf den Boden bringen müssen, werden wir in Zukunft vollständig auf Raupen umsteigen."
Umladetechnik beim Maisdrusch auf dem Betrieb Koch: Der 8345 RT zieht einen Umladewagen Lomma UW 280 und lädt am Feldrand auf LKW mit Fliegl-Sattelaufliegern.
Ludwig Koch bewirtschaftet einen 680 Hektar Ackerbaubetrieb in Mochau in der Lommatzscher Pflege. Darauf baut er zu 70 bis 80 % Körnermais an. 1999 hat er den Betrieb komplett auf pfluglos umgestellt: "Seitdem ist alles besser." Von vier großen Traktoren ist einer ein Raupenschlepper: 8345 RT. Am Nachmittag war er vor einem Lomma 280 Umladewagen beim Maisdreschen im Einsatz. Am Feldrand wurde in Sattelzüge umgeladen. "Wir nutzen die Traktoren nicht für Transportarbeiten auf der Straße. Dazu habe ich Sattelauflieger-Lkw mit Fliegl-Muldenkippern im Einsatz. Eigentlich war der Kauf der Raupe nicht geplant. Aber die Leistung überzeugt: Mit dem Grubber bergauf schafft die Raupe, was der gleich starke Radtraktor nicht schafft." Und das, obwohl Ludwig Koch einer der Kunden bei Porst Landtechnik ist, der seine Traktoren überlegt mit passenden Reifen bestellt. Lars Köchling arbeitet auf Gut Mühlenhof in Immenhausen bei Kassel. Zum Gut gehören 480 ha Acker, die pfluglos bewirtschaftet werden. Dazu kommen knapp 100 Hektar, die in Lohnarbeit bewirtschaftet werden. "Dafür haben wir nur zwei Traktoren von
JohnDeere mit 200 und 340 PS im Einsatz. Sie sind mit Reifendruckregelanlagen von STG ausgerüstet. Wir fahren auf der Straße 1,8 bar und auf dem Acker konsequent 0,8 bar. Aber wir sind am überlegen, den großen Traktor durch eine Raupe zu ersetzen."
Stoppelbearbeitung nach Körnermais in der Lommatzscher Pflege: Der 8345 RT zieht einen 6 m TopDown von Väderstad. Fotos: Volk (4), Möbius (4)
Fazit
Raupenfahrwerke sind ideal, wo sie sich technologisch in die Betriebsorganisation eingliedern lassen und mit schwerer Zugarbeit ausgelastet sind. Traktoren mit Bandlaufwerken schaffen eine höhere Flächenleistung bei geringerem Dieselverbrauch pro Hektar. Mit geringerem Bodendruck haben sie ein größeres Einsatzfenster als Radtraktoren. Da Straßenfahrten bis auf kurze Wege zum Feld tabu sind und Raupen sich kaum für Pflegearbeiten eignen, muss eine Ackerfläche von mindestens 500 ha für eine wirtschaftliche Auslastung vorhanden sein. (mö) NL