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[ » NL NEUE LANDWIRTSCHAFT » Fachthemen » Pflanze » Wenig Aufwand großer Nutzen ]
Donnerstag, 23.02.2012
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Pflanze | 17.11.2011

Wenig Aufwand großer Nutzen

Viele acker- und pflanzenbauliche Fragestellungen ließen sich einfach beantworten, man müsste sich nur die Mühe machen, den Boden aufzugraben und die Pflanzenwurzeln freizulegen. Leider fehlt uns dazu oft die nötige Zeit.
Wenig Aufwand  großer Nutzen
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Wenig Aufwand großer Nutzen
 Dr. Joachim Bischoff, LLFG, Thomas Neshau, BayWa Agrar Niemberg 
 
Grundlage für den erfolgreichen Rapsanbau ist eine an die Witterung, den Boden und Saattermin angepasste Aussaatmenge. Aussaatzeit und Aussaatmenge sind so aufeinander abzustimmen, dass über die sortenspezifische Ausbildung der Ertragskomponenten: Schotenzahl/Pflanze, Kornzahl/Schote und Tausendkorngewicht ein maximaler Kornertrag erreicht wird. Im Vergleich zu den Ertragskomponenten sind die Zusammenhänge des Wurzelwachstums mit der Aussaatzeit und Aussaatmenge bisher nicht genügend klar. Die Kenntnisse über das Wurzelwachstum von Winterraps unter Produktionsbedingungen könnten für die Anpassung von acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen an die zunehmenden Witterungsextreme hilfreich sein. Die nachfolgende Abbildung fasst die Ergebnisse der Wurzeluntersuchungen von Winterraps auf einem stark tonigen Schluff (Ut4) zusammen.
Die experimentelle Grundlage ist ein Feldversuch der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) in Bernburg-Strenzfeld. Pflanzenbauliche Variationen waren die Saatzeit (2 Stufen) und Saatstärke (3 Stufen). Die Aussaat von Winterraps erfolgte einmal am 20. August und als ausgesprochene Spätsaat am 16. September 2009. Variiert wurde die Saatstärke in 20, 40 und 60 Körner/m². Für die Rapsaussaat wurde eine praxisübliche Einzelkornsämaschine mit einem pneumatischen Dosiersystem verwendet. Bei einer technisch bedingten Mindestreihenweite der Einzelkornsämaschine von 37,5 cm (entspricht technisch der halben Maisreihe) werden die Körner in der Saatreihe theoretisch auf 13,3 cm bei 20 Körner/m², auf 6,6 cm bei 40 Körner/m² und auf 4,4 cm bei 60 Körner/m² abgelegt. Als Methodik der Wurzelfreilegung und Wurzelanalyse wurde die sehr arbeitsintensive Profilwandmethode gewählt: aus einer Bodenprofilwand (6 Varianten) wurden die Rapswurzeln mit einer Reißnadel durch trockene Präparation freigelegt (vgl. Arbeitsverfahren bei Kutschera, 1960).
Die Verteilung der Wurzeln wurde durch Fotografie und Skizzen sowie in einem Wurzelprotokoll festgehalten. Die Wurzeluntersuchungen wurden zu zwei Terminen durchgeführt: am 28. April und 9. Juni 2010. Zum 1. Termin befanden sich die Rapspflanzen der Augustaussaat am Anfang der Blühphase und der Septemberaussaat noch mitten in der Entwicklung der Blütenanlagen. Zum 2. Termin befanden sich die Rapspflanzen der Saatzeitvarianten in der Fruchtentwicklung beziehungsweise bereits in der Frucht- und Samenreife. Untersucht wurden der Bodenwassergehalt unter Winterraps sowie die Wurzelparameter:
  • Wurzeltiefgang,
  • Seitenausbreitung,
  • Wurzeloberfläche,
  • Gesamtwurzellänge,
  • Wurzellängendichte.
Der Wurzeltiefgang ist sehr von der Profilwandgestaltung, der Gleichmäßigkeit der Durchfeuchtung und Stärke der Durchlüftung des Bodens abhängig. Wichtig für die Bodendurchwurzelung ist ein intaktes Gefüge ohne Schadverdichtungen und Störschichten. Im ungestörten Boden entwickelt sich beim Raps eine gestreckte Pfahlwurzel, an der Seitenwurzeln nach der Tiefe allmählich abnehmen. Der Winterraps bildete den Hauptteil der Wurzeln in den oberen 20 cm der Krume, zwischen 90 und 95% der Wurzeln waren hier zu finden. Während der Hauptwachstumsphase des Rapses hatten wir allerdings eine optimale Bodenwasserversorgung mit mindestens 80% der nutzbaren Feldkapazität zu verzeichnen. Das war auf dem Löß-Standort Bernburg-Strenzfeld einmal in zehn Jahren der Fall. Die Ausbildung des Wurzelsystems hängt von der Bodenfeuchtigkeit ab, auf trockenem Boden streben die Hauptwurzeln in die Tiefe, verzweigen sich aber nur schwach, bei günstigem Wassergehalt nimmt dagegen die Verzweigung stark zu. Das Wurzelsystem erreicht aber nicht den vollen Tiefgang wie auf trockenem Boden. Zum Zeitpunkt der Wurzelprobenahme konnten zwischen den Varianten signifikante Unterschiede bei dem Wurzeltiefgang, der Wurzeloberfläche und der Gesamtwurzellänge festgestellt werden. Beim direkten Vergleich des Wurzeltiefgangs der ersten und zweiten Saatzeit weist sowohl bei der April- als auch bei der Juni-Untersuchung die Augustaussaat bei fast allen Saatstärken die größeren Wurzeltiefen auf als die spätere Septembersaat. Im Vergleich der Saatdichten schneidet die Saatstärke 20 Körner/m² vor allem bei der Juni-Messung, aber auch bei der April-Messung mit den tiefsten Wurzelausbildungen ab. Die Wurzelausbildung Ende April war nicht abgeschlossen, wie beim Vergleich der Wurzeltiefgänge im April und Juni deutlich wurde. Beide Aussaaten nutzen die Spanne von April bis Juni trotz Beendigung des Längenwachstums zur Wurzelausbreitung.
Zum Einfluss der Aussaatzeit und Aussaatmenge auf das Wurzelwachstum von Winterraps lässt sich sagen:
  • Die frühe Aussaat förderte das Wurzelwachstum, wodurch es dem Raps möglich war, Wasser auch aus größeren Bodentiefen aufzunehmen.
  • Die Rapsaussaat am 20. August erreichte gegenüber dem 16. September 34% mehr Wurzeltiefgang, 39% mehr Wurzeloberfläche und 43% mehr Gesamtwurzellänge. Weniger nachteilig reagierten die Seitenausbreitung der Rapswurzeln und die Wurzellängendichte auf eine Saatzeitverspätung.
  • In allen Varianten wurde der Reihen- zwischenraum durchwurzelt. Wichtig für die Rapsaussaat mit Einzelkornsämaschinen ist, dass auch bei größeren Reihenweiten der "technische Standraum" ausgenutzt wurde. Mit zunehmender Reihenweite muss die Saatstärke aufgrund wachsender Standraumkonkurrenz reduziert werden.
  • Die geringste Saatstärke von 20 Körner/m² hatte den größten Wurzeltiefgang und die größte Gesamtwurzellänge zur Folge sowohl bei August- als auch Septembersaat.
  • Zum 1. Saattermin am 20. August führte die gesteigerte Aussaatmenge von 20 –  40 – 60 Körner/m² zu einer annähernd linearen Abnahme des Wurzeltiefgangs und der Wurzeloberfläche. Bei der Spätsaat am 16. September wurde durch die gesteigerte Aussaatmenge eine größere Wurzeloberfläche erzielt, dagegen waren der Wurzeltiefgang, die Gesamtwurzellänge und Wurzellängendichte verringert. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Nachteile einer Aussaatverspätung auf das Wurzelwachstum von Raps nicht durch gesteigerte Saatstärken kompensiert werden können.
  • In Verbindung mit einem "normalen" Aussaattermin, um den 20. August, sorgen dünnere Pflanzenbestände für ein besser ausgebildetes Wurzelsystem der Einzelpflanzen, wodurch in Trockengebieten eine höhere Ertragssicherheit bei Winterraps erreicht werden könnte.
Im großen Durchschnitt wurden 48 dt/ha Winterraps geerntet. Der Kornertrag war unabhängig von der Saatstärke und Saatzeit. Aufgrund der guten Bodenwasserversorgung brachte auch die Spätsaat keine Mindererträge. Letzteres ließ sich mit Blick auf die Rapsernte 2011 nicht verallgemeinern.
Aus unseren Untersuchungen wissen wir, dass durch die Einzelkornsaat von Winterraps mit 20 Körnern/m² in gleichmäßiger Verteilung auf der Fläche hohe und vor allem sichere Erträge erzielt werden können. Die Einzelkornsämaschine fördert das Absetzen des frisch bearbeiteten Bodens durch die Parallelogrammaufhängung der Säaggregate und durch ein System von Andruckrollen. Mit deren Hilfe wird das Saatbett partiell rückverfestigt und das Saatgut dadurch auch in der Saatrille angedrückt. Allein im Bereich der Saatgutablage wies die Einzelkornsaat in Feldversuchen eine höhere Trockenrohdichte auf als die Drillsaat. Dieser bessere Bodenschluss ermöglicht ein schnelleres und tieferes Wurzelwachstum durch eine verbesserte Kapillarität, die gerade in Trockengebieten oder bei trockenen Aussaatbedingungen sehr wichtig ist. (ha) NL
 

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