Wo kann ich sparen?
Pflanzenschutzmittel sind wichtige Betriebsmittel. Ihr Einkauf sollte wohl überlegt sein, aus wirtschaftlicher, aber auch auch aus rechtlicher Sicht. Unser Autor gibt wichtige Hinweise zur Definition der Produktarten, zum rechtlich einwandfreien Einkauf sowie zu dessen günstigstem Zeitpunkt.
Peter Hefner, Syngenta, Maintal
Mindestens zweimal in der Saison steht jeder Pflanzenschutz-Verantwortliche vor der Frage, welche Pflanzenschutz-Produkte er in die Anbaustrategien für seine Feldkulturen einplanen soll. Nie war das Angebot und auch die Preisspanne zwischen den Alternativen größer als in diesen Tagen. Der globalisierte Handel macht es möglich. Ähnlich wie im Markt für Arzneimittel stehen Reimporte und Generika in Reih und Glied zusammen mit den bekannten Markenprodukten in den Regalen. Das macht die Auswahl schwer, vor allem wenn man keine Kompromisse in punkto Lager-, Anwender- und Wirkungssicherheit eingehen möchte.
EU-Verordnung fordert Herstelleridentität
Verständlicherweise wollen viele die immer größer werdende Vielfalt im Angebot auch beim Einkauf nutzen. Nicht immer ist der Kauf jedoch risikolos, und das nicht nur im Hinblick auf die bereits genannten Aspekte, sondern auch hinsichtlich der gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Handel, Kauf und die Anwendung. Begriffe wie
Parallelimport,
Re-Importoder
Nachahmerproduktemachen die Runde. Doch was ist das genau?
Als
Parallelimportwird ein Produkt bezeichnet, das in einem Mitgliedsstaat der EU oder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) zugelassen ist und mit dem in Deutschland zugelassenen "Referenzmittel" übereinstimmt. Bei
Re-Importenhandelt es sich um Mittel, die ursprünglich für den deutschen Markt entwickelt wurden, dann exportiert wurden und nun zurück nach Deutschland gelangen.
Diese Pflanzenschutzmittel dürfen in Verkehr gebracht werden, wenn ihre Verkehrsfähigkeit von der Zulassungsbehörde festgestellt worden ist. Sie sind nur mit einer offiziellen Parallelimport-Nummer (PI-Nummer) des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vertriebsfähig. Das BVL macht jede PI-Nummer im Internet bekannt (
). Die Liste wird ständig aktualisiert. Das BVL prüft zuvor, ob die Zusammensetzung von Importmittel und deutschem Referenzmittel identisch ist. Die neue EU-Verordnung zieht den Rahmen für Import-Produkte noch enger: Sie fordert Herstelleridentität.
Das sollte der Anwender beachten
Nicht nur der Handel, sondern auch die Anwendung eines nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprechenden Pflanzenschutzmittels ist verboten. Die Anwendung eines in Deutschland nicht verkehrsfähigen Produktes kann bei einem fahrlässigen Verstoß je nach dessen Schwere zum Beispiel nach den Cross-Compliance-Vorschriften mit bis zu 5 % Kürzung der Direktzahlung geahndet werden. Aus diesem Grunde sollte der Anwender folgende Aspekte vor dem Kauf eines Impor-tes prüfen:
Die PI-Nummer muss von außen sichtbar am Etikett angebracht und in der BVL-Liste auffindbar sein. Eine deutsche Gebrauchsanleitung mit Angabe des Namens und der Anschrift des Importeurs ist vorhanden. Angebot und Bezugsquelle sollten vertrauenswürdig und seriös sein. Im Zweifelsfall sollte der Käufer nach der Vertriebsbescheinigung des BVL fragen.
Als
Nachahmerproduktebezeichnet man Produkte, die keine Zulassung in einem Mitgliedsstaat der EU oder des EWR besitzen. Die auch als Generika bezeichneten Mittel müssen eine eigene deutsche Zulassung vorweisen, für die eine gesonderte Zulassungsnummer vergeben wird. Führen sie keine eigene Zulassungsnummer, handelt es sich um Produktfälschungen. Sind die Angaben auf dem Etikett nicht korrekt, kann das Produkt von der amtlichen Überwachung aus dem Verkehr gezogen werden.
Was ist eine Produktfälschung?
Produktfälschungen sind nicht immer einfach zu erkennen. Verdächtig sollten einem immer solche Angebote sein, bei denen der Preis deutlich tiefer liegt als beim Originalprodukt. Es gibt zwar Preisunterschiede in Europa wie in vielen anderen Branchen, so auch bei Pflanzenschutzmitteln aber selten wirklich gravierende. Also Vorsicht bei den Super-Sonderangeboten! Rückfragen bei der amtlichen Pflanzenschutzberatung oder auch beim Hersteller des Originalprodukts können hilfreich sein. Am Ende ist nämlich der Käufer der Dumme. Die amtlichen Kontrollinstanzen können nur bei dem jeweiligen Eigentümer beschlagnahmen. Dieser muss dann zusehen, dass er seine Rechte beim Vorlieferanten oder Importeur geltend macht. Wie die Erfahrung zeigt, ein mühseliger Weg. Wird eine Fälschung aufgedeckt und seitens des BVL die PI-Nummer entzogen, hilft das demjenigen, der schon gekauft hat, wenig. Er muss leider feststellen, dass er im Besitz von Sondermüll ist.
Früh bestellen ohne Zeitdruck
In der Regel stehen die Preise im Handel recht frühzeitig fest. Für die Frühjahrssaison sollte man die Wintermonate nutzen, um die benötigte Pflanzenschutzpalette zu pla-nen. Ende Februar/Anfang März kann man seine Bestellungen an die Händler der Wahl senden. Für die Herbstsaison kann ab etwa Anfang Juli geordert werden. Das hat zwei entscheidende Vorteile:
Oftmals kann man beim Früheinkauf von Sonderaktionen des Handels profitieren. Dies ist allemal besser, als sich später in der Hektik des Tagesgeschäftes zwischen vermeintlichen Schnäppchen entscheiden zu müssen. Oft verbleibt einfach nicht genügend Zeit, um alle Angebote auf ihre Seriosität zu überprüfen. Auch beim Pflanzenschutzmittelkauf gilt: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"! Niemand ist in der Lage, den Witterungs- und Vegetationsverlauf der vor ihm liegenden Saison vorauszusehen. Entwickelt sich ein hoher Schädlings- oder Krankheitsbefall, kann das begehrte Produkt bereits ausverkauft sein. Ein früher Kauf stellt die ausreichende Warenversorgung sicher.
Korrekte Anwendung erspart Nachbehandlungen
Der
Pflanzenschutz ist ein Bereich, in dem sich vordergründig relativ leicht Kosten einsparen lassen: Etwas weniger Wasser hier, ein Zehntel weniger Aufwandmenge dort, das kleckert sich mancherorts zu respektablen Beträgen zusammen. Über die damit oft eingegangenen Risiken schweigt dann des Sängers Höflichkeit. Reduzierte Aufwandmengen vermindern die Wirkungsdauer und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, mit suboptimalen Dosierungen zu Werke zu gehen. Das kann nur dann gut gehen, wenn ein ausreichender zeitlicher Spielraum besteht, um immer den optimalen Zeitpunkt der Behandlung zu treffen. Allzu oft aber macht die Witterung einen Strich durch diese Rechnung. Teure Nachspritzungen sind dann oft die Folge, die sich auch unmittelbar in der Geldbörse bemerkbar machen. Langfristig können sich gar Resistenzen aufbauen, die dann das Bekämpfungsniveau insgesamt verteuern. Will man diesen Risiken aus dem Wege gehen, sollte man auf eine fachlich korrekte Ausführung der Spritzungen achten. Dies bedeutet zunächst, mit den von den Herstellern empfohlenen Aufwandmengen zu Werke zu gehen. Diese haben wie auch die amtliche Beratung in den vergangenen Jahren überdies zahlreiche Serviceangebote wie Befalls- und
Wetterprognosen entwickelt. Nicht zuletzt die Beratung in punkto Anwendungstechnik gibt wertvolle Hinweise, wie optimale Ergebnisse erzielt werden können. Die sorgfältige Ausführung der Pflanzenschutzmaßnahmen ist so am Ende wahrscheinlich kostengünstiger als die Jagd nach einem Schnäppchen.
(ha)
Betriebsmittel Saatgut
Mais:
Die wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Sortenwahl sind der Ertrag, die eigene Erfahrung und die Empfehlung. Beim Mais bieten alle Züchter Frühkaufrabatte an, die günstig sind, um besonders stark nachgefragte Sorten auch zu bekommen. Der Faktor Vermehrung spielt hier eine wichtige Rolle: Wenn z. B. die Menge an Einheiten, die auf den Vermehrungsflächen erzielt werden, aufgrund von Wetterextremen gering ausfällt, können vor allem die Topp-Sorten, die neu in den Markt eingeführt werden, schnell ausverkauft sein. Speziell bei diesen lohnt sicherlich eine frühe Kaufentscheidung. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Nachfrage nach leistungsfähigen Sorten in den flächenstarken Anbaugebieten in Osteuropa steigt. Auch dadurch kann es zu Engpässen bei der Versorgung kommen. Neben der Beratung kann sich der Landwirt auf Feldtagen, wo Züchter und Händler Sorten vorstellen, einen Eindruck verschaffen, welche Sorte sich für seine Region gut eignet.
Raps:
In einer so schnelllebigen Saison wie bei Raps sind Frühkaufrabatte weniger interessant. Deshalb werden sie nur vereinzelt angeboten. Viele Landwirte wollen erst einmal die Ernte unter Dach und Fach haben und entscheiden sich dann für die Sorte. Beim Raps gilt ähnliches wie beim Mais: Wenn die Mengen der neuerntigen Ware aufgrund von extremen Witterungsbedingungen gering ausfallen und kein nennenswertes Überlager vorhanden ist, kann es zu Engpässen kommen. Auch hier gilt das in erster Linie für die neuen Sorten. Wichtigste Auswahlkriterien sind Ertragsstabilität, die Standorteignung und die Krankheitsresistenz (z. B. gegen Kohlhernie oder Phoma). Hier gibt es zahlreiche Orientierungshilfen aus der Beratung und in den Agrarfachmedien.
Peter Hefner
Wo kann ich sparen? (28.09.2011)
Um ein Kommentar zu schreiben müssen Sie sich einloggen.